Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 28 (6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 408 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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.Deine Bescheidenheit ehrt dich," sagte Rabbon Gamliel; .allein Taddäus hat uns schon mitgeteilt, daß Clemens den Wunsch ausgesprochen hat, daß gerade Du uns nach Rom begleiten sollst. Deshalb haben wir auch Dich und keinen der Andern zu dieser Beratung zugezogen. — Willst Du vielleicht erst Deine Frau um Rat fragen, Akiba?' ..Nicht doch,"" entgegnete Rabbi Akiba lächelnd, ..wo Du, mein Fürst, und wo Rabbi Josua und Rabbi Elasar sind, da ist die Thora, und jeder Augenblick in Eurer Gesellschaft vermehrt mein Wissen. Meine Frau wird glücklich sein in dem Gedanke, daß ich während dieser Reise mich erwärmen darf an den Strahlen, welche von den großen Leuchten Israels ausgehen."" XV. Rabbon Gamliel, der Fürst, hatte für alle Synagogen in ganz Judäa Gebete angeordnet und für jeden zweiten und fünften Tag der Woche Fasttage eingesetzt; er selbst und die Freunde, die ihn nach Rom begleiten sollten, begaben sich zuvor zu der Ruine des heiligen Tempels, um an der Westmauer desselben in heißer Andacht um das Gelingen ihrer Reise zu beten. Als sie die Höhe des Berges erstiegen hatten und die zerstörte Haupstadt Israels vor sich liegen sahen, brachen sie in Tränen aus, zerrissen ihre Kleider und sprachen: Zion ist zur Wüste, zur Einöde geworden, unser heiliges, herrliches Haus, in welchem unsere Voreltern den allmächtigen Gott gepriesen haben, ist zum Schutthaufen geworden und alle unsere Lust ist in Trümmer gegangen. Dann sprach Rabbon Gamliel mit lauter Stimme: .O Gott, es sind gekommen die Völker in Dein Eigentum, haben verunreinigt Deinen heiligen Tempel, haben Jerusalem zuin Schutthaufen gemacht, haben gegeben die Leichen Deiner Diener den Vögeln des Himmels zur Speise, das Fleisch Deiner Frommen den wilden Tieren, haben ausgegossen ihr Blut wie Wasser rings um Jerusalem, und Niemand begräbt. Wir sind zum Spott unsrer Nachbarn, unserer Umgebung zu Hohn und Verachtung geworden. Wie lange noch, o Gott? Willst Du auf ewig zürnen? Wird Dein Grimm denn ewig wie Feuer lodern? Gieß Deinen Zorn aus auf jene Barbaren, die Dich nicht kennen wollen, und auf Reiche, die Deinen Namen nicht anrufen, weil sie Jakob ver-