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Jüdischer Volksbote · 1913-06-01 · 28 (6.1913) · p. Seite 409

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
28 (6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 409 (sequence 19)
Language
German
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409 schlingen und seine Wohnungen verheeren. Gedenke uns nicht vergangene Sünden; komme uns mit Erbarmen bald zuvor, denn wir sind verarmt gar sehr. Hilf uns, Gott, unser Helfer, um Deines Namens Ehre willen, rette uns, verzeihe uns unsere Sünden um Deines Namens willen. Warum sollen die Heiden sprechen: Wo ist ihr Gott? es möge kund werden unter den Völkern vor unfern Augen, daß Du nicht gleichgiltig das Blut Deiner Diener vergießen lassest. Es möge zu Dir dringen das Seufzen der von der Gefahr Bedrohten, befreie mit Deinen starken Armen die dem Tode Geweihten! Vergilt unseren bösen Nachbarn siebenfach die Lästerung, init der sie Dich lästern, o Herr! Wir aber. Dein Volk, die Herde, die Du weidest, werden Dich bekennen in Ewigkeit, den kommenden Geschlechtern Deinen Ruhm verkünden!" Schweigend hatten die Andern ihm zugehört; jetzt brachen sie aufs Neue in Wehklagen aus, zerrissen nochmals ihre Kleider und riefen mit lauter Stimme: ^Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, Du ivahrhafter Richter! Der Fels, vollkommen ist sein Tun, denn alle seine Wege sind Gerechtigkeit, der Gott der Wahrheit, an ihm ist kein Unrecht, gnädig und wohlwollend ist Erl' Dann gingen sie den Berg hinunter, bis sie an die Westmauer des heiligen Tempels kamen. Hier zogen sie die Schuhe von ihren Füßen und beteten in heißer Andacht. Plötzlich lief ein Fuchs herzu, aus der Gegend kommend, wo einst das Allerheiligste des Tempels gewesen war. Da erhoben die Weisen Israels ihre Stimmen und weinten laut; nur Rabbi Akiba schwieg; ein Lächeln verklärte sein Antlitz. Da sprachen die Weisen zu ihm: Akiba, warum lachst Du? Dieser aber fragte: Und Ihr, meine Lehrer, warum weint Ihr? — Und sie sprachen: Im Allerheiligsten, das nur einmal im Jahr von, Hohenpriester in Reinheit und Heiligkeit betreten werden durfte, im Allerheiligsten, von dem es heißt: Und jeder Fremde, der hinzutritt, soll getötet werden, dort laufen jetzt Füchse umher, und die Augen, die Solches sehen, sollen nicht übexströmen in Tränen? - Meine Lehrer, antwortete Rabbi Akiba, gerade deshalb freue ich mich. Es heißt in der heiligen Schrift: Und ich werde mir nehmen treue Zeugen, den Uriah, den Priester, und den Secharjahu, den Sohn des Berachjahu. - (Fortsetzung folgt).

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