Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 28 (6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 407 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4903180-5965943-5965983--613-4903756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
407 stimmte in ihr Wehklagen ein. Dann trocknete er'seine Tränen und fuhr fort zu reden: „Seit den Tagen des Haman hat eine solche Gefahr unser vielbedrängtes Volk nicht bedroht. Vergebens hat Clemens dem Tyrannen Vorstellungen gemacht und ihn darauf hingewiesen, wie große Summen die Kopfsteuer der Juden — müssen wir doch zwei Drachmen zahlen für jeden Kopf, doppelt so viel wie andere unterjochte Nationen — dem kaiserlichen Staatsschätze alljährlich einträgt. Diesmal ist sein Wunsch, den Thron der alten Götter zu befestigen, größer als seine Geldgier. — Schicket hin, nach Judäa, sprach Clemens zu den Vorstehern unsrer Gemeinde, auf daß die Weisen Israels Fasttage einsetzen und Gebete anordnen in allen Synagogen des Landes. Sie selbst aber sollen hierherkommen, um mit mir und meinen Freunden zu beraten, was zu tun sei. Wir haben große Bundesgenossen in der Stadt; denn die vornehmsten Bürger und Senatoren bangen für ihr Leben. Auch gegen die Philosophen und die vorzüglichsten Denker der Nation wütet der Tyrann und bedroht sie mit Tod und Verbannung. — So haben mich denn die Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Rom hierhergeschickt, um Euch die Botschaft des Flavius Clemens auszurichten; ich habe meinen Auftrag erfüllt. Ihr aber beratet und tut, wie der Geist Gottes, der auf Euch ruht, es Euch eingibt." „Wohlan," sprach Rabbi Gamliel, „wir werden so tun, wie unser Freund Clemens uns geraten hat. Das Volk wird fasten an jedem zweiten und fünften Tage der Woche, und die Synagogen werden geöffnet sein von Morgens bis Abends. Ich aber werde mich auf den Weg machen, um nach Rom zu reisen. Wollt Ihr mich begleiten, meine Freunde?" »Ich gehe mit Dir," sagte Rabbi Josua. „„Und ich bleibe nicht zurück,"" sprach Rabbi Elasar den Asarjah. „Und du, Akiba," fragte Rabbon Gamliel, „Du * schweigst?" „„Gibt es doch,"" entgegnete Rabbi Akiba, „„viele würdigere Männer, die der hohen Ehre, Euch begleiten zu dürfen, mehr wert sind als ich: Rabbi Elieser, Rabbi Tarphon, Rabbi Jischmaßl, Rabbi Jehuda ben Baba, und viele Andere. Würde es sie nicht schmerzen, wenn Einer von ihnen um meinetwillen zurückgesetzt werden würde?""