Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 28 (6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 404 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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404 etwa 24 Stunden liegen. Solch ein feuchter Verband wirkt wahre Wunder, uud manche unsaubere Wunde sieht darnach völlig gereinigt aus und heilt rasch ab. Der Verband ist nicht mit kühlenden Umschlägen zu verwechseln, die man auf entzündete Haut legt, und die man häufig wechseln muß, damit sie eben kühlen; der feuchte Verband bleibt, wie gesagt, den ganzen Tag fest liegen. .Der Leser ersieht aus dieser ganzen Darstellung, daß die Natur das Bestreben hat, die Wunden selbst zu heilen, und daß es unsere Aufgabe nur ist, die Natur in ihrem Streben zu unterstützen, ihr ihre Aufgabe zu erleichtern^ Schwierigkeiten fernzuhalten und nicht durch unsere eigene Torheit der Natur die Lösung ihrer Aufgabe unmöglich zu machen. Oft freilich gerät die Natur auf eine falsche Bahn, die in Gefahren, ja oft geradezu ins Verderben führen kann; da ist es dann die Aufgabe des Arztes, die^R Natur auf die richtige Bahn zurückzuführen, um sie dann wieder sich selbst zu überlassen. Im Anhänge wollen wir noch einige Winke beifügen für zwei Arten von Unfällen, die im täglichen Leben sehr häufig auftreten: die Nasenblutung und die Verbrennung. Bei der Nasenblutung ist es, falls ruhiges Verhalten nicht ausreicht, am einfachsten, kalter Waffer einzuschnaufen, dem man etwas Essig oder auch Alaun (1 Eßlöffel auf 1 Liter Waffer) zusetzr. Weiterhin macht inan kalte Wafferumschläge auf Stirn oder Schläfe oder Nase und Nacken. Die Hauptsache ist, alles Schnauben, Pressen und Schneuzen zu vermeiden, das nur die Blutung anregt. Je stiller man sich verhält, desto leichter gerinnt das Blut. Es ist falsch, sich hinzulegen und den Kopf hängen zu lassen, sondern man nehme im Gegenteil die aufrechte Stellung ein und hole tief Luft; es wirkt noch unterstützend, wenn man beide Arme hoch hebt. Meist wird von Blutenden eine falsche Lage eingenommen. Ist die Blutung nach obigen Maßnahmen nicht zu stillen, so rufe man den Arzt. Was die Verbrennung anlangt, die ja auch, besonders in der Küche, zu den häufigsten Vorkommniffen gehört, so ist natürlich auch hier wieder nur von den leichten und leichtesten Fällen die Rede. Sehr häufig bildet sich bekanntlich bei Verbrennungen im Entzündungsherd eine Blase, die Haut neigt zur Ablösung, die Wunde ist schmerzhaft. In leichtesten Fällen genügt es, mit kaltenr Wasser zu kühlen und höchstens einen kleinen Schutzverband mit Puder oder Salbe anzulegen. Mit bloßem Waffer zu kühlen, ist aber nur gestattet, wo lediglich eine Hautrötung, aber keine Wunde vorliegt. Ist etwas Haut abgelöst, so kühle man mit Bleiwaffer (fertig zu kaufen und nicht mit Bleiessig zu verwechseln). Im Publikum ist eine Mischung von Kalkwaffer mit Leinöl beliebt, die gute Dienste leistet. In keinem Falle öffne man die Brandblase. Das Häutchen ist ein guter, natürlicher Schutz gegen eindringende Keime und stößt sich nach Austrocknung der Blase von selbst ab, wenn sich darunter neue Haut gebildet hat. Ist die Blase aber bereitst geöffnet, und liegt die Wunde frei zu Tage, so behandele man sie sorgfältig wie jede offene Wunde. Jedenfalls reiße und schäle man