Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 28 (6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 405 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4903180-5965943-5965983--611-4903754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
405 selbst nichts ab, sondern warte überall die Abstoßung ab. Man unterlasse alle ausgedehnten Waschungen, vor allem mit Karbolwasser, wodurch schwere Allgemeinvergiftungen zustande kommen können. Man kann mit Borwasser oder Bleiwaffer waschen, bepndere aber dann sofort die ganzen verbrannten Hautpartieen mit Dermatol oder Orthofvrm und lege einen trockenen Mullverband darüber, Wenn die Wunde fast abgeheilt ist, macht mau gegen Ende einen Salbenverband. Sehr bequem und empfehlenswert ist die Anwendung der in jeder Apotheke erhältlichen „Brandbinden". Diese sind schon so mit Wismnthpulver durchsetzt, daß man sie direkt auf die bloße Wunde wickeln kann. Man braucht also nicht zu pudern. Das einzige also, was man zu tun hat (höchstens, außer der Waschung mit Borwasser) ist die Anlegung der Binde. Es ist nur auf eine Schwierigkeit hinzuweisen. Wenn man den Verband abnehmen will, weil er nicht mehr nötig ist, oder um ihn zu erneuern, so ist Puder, Wundslüssigkeit und Mull meist so zusammengebacken, daß man den Verband ohne Gefahr, die Haut anzureißen, nicht entfernen kann. Man bedient sich dann des (im Publikum zur Mundspülung viel benutzten) Wasserstoffsuperoxyds. Man gießt dieses Mittel unverdünnt mehrere Male in größeren Zwischenräumen auf die verbackene Masse, die zu schäumen beginnt, und kann so allmählich jeden verbackenen Verband stückweise ablösen, ohne wehe zu tun. — Alle Maßnahmen aber, die wir in obigen Ausführungen für die Wundbehandlung empfohlen habe», sind nichts weiter als der Kommentar zu jenem bedeutsamen Princip, das die moderne Hygiene beherrscht und sich als ein wahrhafter Segen für die leidende Menschheit erwiesen hat: — die Sauberkeit im großen und im kleinen. Wctfieren. häufig begegnet man in kleinen Landgemeinden noch Leuten, die sich, obwohl sie sich sonst in jeder Hinsicht streng religiös führen, gar kein Gewissen daraus machen, sich rasieren zu lassen, obzwar sie wissen müßten, daß das Rasieren ein außerordentlich großer Issur ist, mindestens so groß wie der Genuß des Fleisches von unerlaubten Tieren. wenn man schon glaubt, den Bart, diese von der Natur'dem Manne verliehene Zierde, entfernen zu müssen, so mag man sich doch einer der vielen erlaubten Enthaarungsmittel bedienen. Lines von diesen scheint uns seiner sehr gründlichen Wirkung wegen sehr empfehlenswert, es ist, wie man uns versichert, außerordentlich einfach und billig in der Anwendung, vollständig ungefährlich und fast geruchlos (nicht zu verwechseln mit den starken schwefelhaltigen Rasterpulvern). Das „Rafolin", als Lreme in Tuben geliefert, wird heute sehr viel auch von Nichtjuden anstelle des Rasierens verwendet. Den Mitgliedern der «Freien Vereinigung" gewährt die Fabrik einen Rabatt von 20%, der sich bei größeren Bezügen noch erhöht. Siehe Inserat: «Rasieren ohne Messer".