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Jüdischer Volksbote · 1913-06-01 · 28 (6.1913) · p. Seite 402

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
28 (6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 402 (sequence 12)
Language
German
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402 ftungenj und wie mehr noch müssen wir, irdische Segnungen entbehrend, das geistige! Gut aufsuchen, das der Sabbat bringt! — Die Glücklicheren sollen diesen Tag aufsuchen, daß er ihnen ihr Glück weise gebrauchen lehre; ihnen lehre, Gott mitten unter Ehre und Freude und Freiheit und Glück treu zu bleiben; wir Armen sehnen; uns nach ihm, daß er uns lehre, Unglück mutig ertraget, uns Kraft gebe, auszudauern, zu kämpfen und zu siegen; daß er uns, die wir so weit zerstreut, zurück zu Gott führe, uns führe zu wahrer Frömmigkeit, zu reiuem Gjauben, zu heiligen Gedanken und heiligen Handlungen. Wir wünschen diesen Tag, um unser innerstes Herz zu durchsuchen und seine inneren Fehler zu sehen, nicht nur die Sünden, die auch unser Nachbar an uns bemerkt, sondern die Gebrechlichkeiten, die Gott und wir allein in ihren geheimen Schlupfwinkeln entdecken. ynd auch unsere Tugenden sollen wir an das Licht des Himmels bringen! und sehen, ob sie wirkliche oder nur scheinbare, mit künstlichem Farbengewand aufgeputzte Tugenden sind. Wir müssen das Verzeichnis der Woche,1 wie es in unserer Seele eingetragen ist — denn es ist auch im Buche Dotles eingetragen — durchlesen und sehen, welche Fortschritte im Guten!oder welche Rückschritte wir gemacht; wir Alle haben eine rauhe Strecke zurückzulegen, einen steilen Hügel zu erklimmen. Haben wir auf dem Wege der vergangenen Woche am Aufsteigen gewonnen, oder haben wir verloreü? Bewillkommnet euren Sabbat: er giebt euch die nötige Muße, auf des Lebens edelsten und wahrhaftesten Pflichten zu merken. .Begrüßet ihn, Väter und Mütter! er bringt euch die nötige Zeit, um eure Pflichten gegen eure Kinder zu erfüllen, um euch in Gebet und in Gesellschaft zu vereinigen. Machet ihnen den Tag durch Heiterkeit und Ruhe erfreulich, sprecht Worte der Liebe und des Frohsinnes zu den jungen und sorglosen Gemütern, heilige Worte, die noch lange, nachdem sie gesprochen wurden, in ihrem Gedächtniffe fortleben, auf daß, wenn sie einst zur Mannheit heranwachsen und ihre Kleinen ihre kniee umgeben, sie sich ihres früheren, heimatlichen Sabbats erinnern und den Vater und die Mutter segnen, die in ihnen die Liebe zu Gott groß gezogen, und in dieser Liebe ihnen die alleinige wahre Erbschaft, das alleinige, unverwesliche, ewige Gut gegeben haben. Bewillkommnet ihn, o Arbeiter! als einen Hinweis von Gott, daß dieses beschwerden- und mühevolle Leben nicht unser Alles ist, sondern daß wir eben sowohl geistige Wesen wie Geschöpfe von Ton sind, und daß wir daher nicht für das sterbliche Gerüst allein, sondern für die Seele, den unsterblichen Geist sorgen sollen. Fühlet eure Geistigkeit, eure Verwandtschaft mit dem ewigen Gott durch alle eure schwere Arbeit, durch das Geräusch ' der Stadt und deren betäubenden Lärm, durch die beschwerlichen Wege, Beängstigungen, Leidenschaften und Unftieden der Welt. Durch euer schadhaftes Gewand, durch eure elenden Wohnungen, durch eure finstern Mauern, durch alle eure äußere Armut fühlet eure geistige Größe — ihr seid das edelste Werk der Schöpfung Gottes.

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