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Jüdischer Volksbote · 1913-06-01 · 28 (6.1913) · p. Seite 401

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
28 (6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 401 (sequence 11)
Language
German
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401 und ihnen gegenüber — wie niederschlagend! — steht, ein anderes Bild, der Kleiderhändler mit seinem bestaubten Sack, der Straßenkrämer mit seiner schweren Trage beweglicher Sachen, die bleiche Nähterin in ihrer Hinterdachstube. Hunderte und Hunderte Armer, alt und jung, eingesperrt zwischen grauen Mauern, sich nach Luft und Licht sehnend! Doch laßt uns, wie wir uns jetzt befinden, unfern Sabbat willkommen heißen, Trauer und trübe Erinnerungen verscheuchen und unser» Tag der Muße und Ruhe bewillkommnen, unser» Tag des Friedens und der häuslichen Freude, des Gebets und der Andacht, des heiligen Gedankens und heiligen Gefühles. Leget nieder den bestaubten Sack, verlasset die schwere Beschäftigung und begrüßet den Sabbat. Eure Seele soll heute frei sein, frei um sich einem sittlichen und geistlichen Leben, dem Wahren, Guten und Ewigen zu widmen. Ihr seid heute frei, um bei Euren Familien zu weilen, um eure Kinder zu lehren, Gott zu erkennen und ihm zu dienen, um eure Umgebung zu erheitern, um an beffere Dinge als an der Woche Arbeit und Mühen zu denken; ihr seid frei, um in das Bethaus zu gehen und dort mit euren Brüdern Preis und Lob Gott zu bringen. — Heißet willkommen eure Sabbate; sie sind die edelste Einrichtung, die die Zeit uns, und durch uns der ganzen zivilisierten Welt übergeben hat. An den Geist unseres Sabbats hält sich gewissermaßen der christliche Sonntag, und diesem Tage der Ruhe und Andacht verdankt unser glückliches England zum Teil seinen frommen Sinn und sein Gedeihen. Wenn ihr die Glocke hört und die vom Palast oder von der Hütte aus nach dem Bethause schreitenden Reihen erblicket, so möget ihr einen glücklichen Stolz fühlen, daß unsere christlichen Brüdcr uns eine ihrer größten Segnungen schulden. In Zeiten der Verfolgung und schwerer Versuchungen, unter Gefahren, auf der Flucht, in Verbannung und im Gefängnis heiligten unsere Väter GotteS heiligen Tag, und jetzt, da wir in Sicherheit und Frieden leben, o möge uns nichts verleiten, das feierliche Gebot zu verletzen, das uns so eindringlich und liebevoll durch die ganze Schrift eingeschärfl ist: „ D u sollst dich erinnern des Sabböttages, ihn zu heiligen!" war der im Namen Gottes dem ganzen Hause Jisraels verkündete Befehl, und er soll ein immer dauerndes Bündnis zwischen dem allmächtigen Vater und seinen Kinder» sein. Und viele und große Segnungen wurden an seine Beobachtung geknüpft, und schwere und ernste Strafen an seine Verletzung. Gott erkannte, wie ein solcher Tag dem Menschen Bedürfnis ist, und er setzte ihn ein, daß er der Tugend ein Anhalt sei, ein Ruhepunkt in den Kämpfen der Welt, eine Zeit der Zurückgezogenheit und der Stille, ein Heiligtum, wohin keine kleinlichen Sorgen, keine Unruhe, kein Gedanke an Arbeit, keine weltliche Leidenschaft, oder selbstischer Ehrgeiz dringen soll. Wenn ein solcher Tag den Jisraeliten in ihrem freien und heiteren Lande, mitten unter dem Lächeln eines schönen Gebietes und eines sonnigen.Himmels, wo sie Fürst oder Soldat, Vornehmer oder Landmann, geehrte und angenehme Stellungen anstreben konnten, von Nöten war, wie weit mehr noch bedürfen wir, deren Lage so kummervoll verschieden ist, des Sabbats Trö-

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