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Jüdischer Volksbote · 1913-06-01 · 28 (6.1913) · p. Seite 395

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
28 (6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 395 (sequence 5)
Language
German
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395 Bilder, an denen wir es erkennen, warum das Volk bei seinem Wegzüge von Rephidim als eine Menge von Einzelnen betrachtet wird, a'TBi» ixv'i „sie zogen weg von Rephidim" geteilten Sinnes, denn was sie in Rephidim getan und was ihnen dort begegnet war, das hatte sie nicht zu einigen vermocht in gemeinsam vertrauendem Aufblick zu Gott, dies hatte jeden einzelnen von seinem Nachbar getrennt. Es waltete noch in ihnen jener Sklavengeist, der über dem Hunger und dem Durst sich seiner Menschenwürde entäußert. Es fehlte das einigende Band, das aus der Sklavenrotte ein Volk gemacht hätte, und als sie in die Wüste Sinai kamen und sich dort niederließen, da waren sie einer Schar von Kindern zu vergleichen, die achtlos an den Wundern vorübergehen, die sich am Wege auftun, ixrn - wm - um da war ihr Pfad nichts anders gewesen als ein Wegziehen, ein Ankommen, ein Ausruhen, aber den Gott, der ihnen Großes getan, I hatten sie nicht erkannt und seines Armes Allgewalt hatten sie vergessen. Wollen wir nun von diesem alten Bilde die Anwendung machen auf die neue Zeit, wahrlich, da bedarf es nicht langen Suchend nach diesem Geist von Rephidim; auf Schritt und Tritt begegnen wir ihm, außer uns, wie i n uns! Unserem spätgeborenen Geschlecht ward die gleiche Gnade zuteil, wie einst den Ahnen, denn auch das Israel unseres Jahrhunderts ist erlöst aus einer vielhundertjährigen Knechtschaft, in welcher es die Ketten der Schmach mit sich schleppen mußte, in welcher all sein Fühlen und Denken darniedergehalten, all sein Tun und Lassen beschwert war mit den Bleigewichten deS Hasses und der Verfolgung. Die Knechtschaft ist geschwunden, und die so lange Zeit sich an das Bewußtsein des Sklavendienstes gewöhnt hatten und mil dem Sänger klagen durften: nsnn by cn'iynb w'iun D*«nin „auf meinem Rücken pflügten die Pflüger, zogen sie in die Länge ihre Furchen," die fingen heute dem Ewigen ein neues Lied und jubeln auf in der Erkenntnis, daß Gott seine Getreuen erlöst hat. Nur in einem hat das Schauspiel bei den Nachkommen einen anderen Weg genommen, als bei den Vorfahren. Denn während die Ahnen aus Egypten heraus, wohl nach Rephidim kamen, der Stätte, deren Geist wir erkannt haben, von hier aus aber geraden Weges dem Berge entgegenzogen, von dessen Höhen herab Gott mit ihnen sprach, so hat das heutige Israel in Rephidim seine bleibende Wohnstätte aufgeschlagen. Nur wenige Jahrzehnte brauchen wir rückwärts zu blicken, da sehen wir unsere Väter aus der Fessel heraus, die ihren Fuß umschlossen hielt, ihre Freiheit bei Gott suchen und in das Dunkel hinein, das ihre Wohnungen verfinsterte, das Licht des gläubigen Vertrauens entzünden. Uns ist die Fessel gelöst und das Dunkel erhellt — aber wir schmieden uns selbst wieder die Ketten, die uns binden und verlöschen gewaltsam die Leuchte, die uns strahlt! Oder

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