Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 28 (6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 394 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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394 Bild der Vorbereitung ab, welches in allein Zeit dem Schauspiel der Offenbarung voranging, und wie jenes Israel, das vor Gottes Antlitz stand, nicht mit einem Schlage fähig und würdig war, Empfänger und Träger der Gotteslehre zu werden, so zeigt es sich auch in dem modernen Israel, daß es nicht immer und nicht überall sich als Bewahrer des Gotteswortes gebärdet, sondern gar oft seinen Beruf vergessen hat. Zu dem Versx: dv jm naiea um td 1212 wn d’tcic lyoi inn Ssir" „Sie > zogen fort von Rephidim, kamen in die Wüste Sinai und lagerten!tn der Wüste, und es lagerte daselbst Israel gegenüber dem Berge", fragten schon unsere Alten, weshalb die Zeitwörter in der ersten Hälfte des Verses in der Mehrzahl stehen, während in der zweiten Hälfte, jm, die Einzahl gebraucht ist. Die Antwort, die sie auf diese Frage erteilen, es sei dadurch angedeutet, daß^ Israel, so lange es ferne vom Gottesberg, in der Wüste des Abfallsd lagert, ein Bild der Zerklüftung biete, sobald es sich aber am Fuße des Sinai zusammenfinde, wie ein Mann zu halten habe, wie wahr und wie treffend erscheint sie uns auch heute, wenn wir unser Israel betrachten! Ein trauriges Vorspiel hatte die große Tat der Offenbarung eingeleitet. Das Volk war erlöst aus den Banden der egyptischen Knechtschaft, des Ewigen Hand hatte Großes an ihm vollbracht,, und im ersten Vollgefühl des überströmenden Dankes hatte es an den Ufern des Schilsmeeres einen brausenden Jubelsang zu dem allmächtigen Retter emporgesungen. Aber ach! Schon am 15. Tag des zweiten Monats nach dem Auszuge erhebt sich in des Volkes Mitte die Stimme der Unzufriedenheit, wünschen sich die Undankbaren ihre Sklavenzeit zurück, weil sie in der Wüste kein Brot zu effen haben, und als der große Gnadenspender seine Hand geöffnet und alle gesättigt hatte mit jenem wunderbaren Himmelsbrot, an dem sich zum ersten Male die segnende Kraft des Sabbat offenbarte, war da des Volkes Vertrauen gestiegen und gefestigt? Erhebt sich nicht, als ihnen bald darauf das Trinkwaffer^ fehlte, die gleiche Klage, dringen die Wütenden nicht auf Moscheh ein,^F daß dieser ausruft: uiSpoi bj?o iix „Noch ein Weniges — und sie hätten mich gesteinigt!" Und das alles, weil der D u r st quält und obwohl der Hunger eben erst in so wunderbarer Weise gestillt worden war! Und hier nun, in Maffa und Meriba, an der Stätte der Versuchung und des Streites, da war mnv nr® war das Tor geöffnet auch für den Feind von außen, pbay sri. Da kam Amalek — und auf die frepelhafte Frage des kleinmütigen Volkes: 'i tf'.i P*.EK D33ip3 „Ist Gott in nnserer Mitte, oder nicht?" erschallet gleichsam aus Amaleks Munde das grausige Echo: p< „Nicht!" Das sind die Bilder von Rephidim, die Bilder der Undankbarkeit, des Kleinmuts, des Haders und der Zwietracht, das sind die