Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 27 (4.1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 386 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Ich wollte das Wort nicht brechen, daß ich Dir als Knabe gegeben. Für jeden Andern wäre ja der Besitz eines so edlen, frommen und hochherzigen WeibeS, der Tochter des größten Mannes in Israel, das höchste Glück; für mich, dessen Seele einzig und allein nach dem Wiffen strebt, für den die Erkenntnis der Wahrheit das einzige begehrenswerte Gut ist, für mich ist eS nicht wohlgethan, daß ich durch andere Pflichten mich gebunden fühle". Sulamtih fing an zu weinen. .Es ist wahr", sprach sie unter Tränen, .was Du mir eben offenbart hast, betrübt mich sehr. Nicht um .meinetwillen, sondern um Deinetwillen. Es wäre ein unersetzlicher Verlust für Israel, wenn der hohe Flug Deines Geistes gehemmt werden würde. Ich zwar werde nicht aufhören. Dich zu lieben, und niemals wird ein anderer Mann mein Gatte werden. Dennoch bitte ich Dich: Gib mir den Scheidebrief und löse das Band, das uns aneinander feffelt." Und ben Asai tat so; mit schwerem Herzen entschloß er sich, dem Rate seines Weibes zu folgen. Er fühlte, daß er nicht anders konnte. Als der Scheidungsakt vorüber war, umarmte Rahel ihre weinende Tochter. „Du hast Größeres vollbracht als ich", sprach sie, „die alle Welt preist und lobt, weil ich unter Opferung äußerer Glücksgüter meinen Gatten für die Thora gewonnen habe. Das Opfer welches Du gebracht, ist tausendmal größer als das meinige. Du hast den Geliebten Deines Herzens freigegeben, um den Flug seines Geistes nicht zu hemmen. Gott segne Dich, mein geliebtes Kindl" XIV. Rabbi Akiba war mst den Seinen nach Jabneh gezogen, und hier sollte ihm bald eine große Auszeichnung zu teil werden.' Rabbi Josua ben Alam, der an der Spitze des Armenwesens für ganz Israel gestanden, war gestorben, und man ging mit dem Gedanken um, das hohe Ehrenamt, welches der Verstorbene bekleidet hatte, dem Schwiegersohn des Kalba Sabua zu übertragen. Die Akiba zugedachte Ehre war um so größer, als Rabbi Josua -ben Alam bei der ganzen Ration in größtem Ansehen gestanden hatte. Von diesem wird