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Jüdischer Volksbote · 1913-04-01 · 27 (4.1913) · p. Seite 381

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
27 (4.1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 381 (sequence 11)
Language
German
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381 M? verzögert. Ein Pflaster ist nur dort erlaubt, wo die Wunde fast verheilt ist und nur noch ein Schutz für die zarte, frische Narbe nötig ist, ferner bei ganz kleinen Wunden, die garnicht geblutet haben, aber vor weiterem Anreißen geschützt werden sollen. Sonst giebt eS zum Bedecken d^c Wunde nur ein Verbandmittel, den Mull („Verbandgaze-). Er ist in jeder Droguerie oder Apotheke in Cartons verschiedenster Größe erhältlich. Der gewöhnliche Mull ist meist sauber genug, besonders wenn man so verfährt, daß man ein Stück abschneidet, das Innen nach außen kehrt und diese Stelle, die man also mit den Fingern noch nicht berührt hat, auf die Wunde tupft. Wer ängstlich ist, kann auch völlig keimfreien Mull kaufen (sog. sterile Gaze), die natürlich teurer ist, oder mit Jodoform imprägnierte Gaze (Jodoformgaze). Der Gang des Verfahrens ist also folgender: zunächst sorgt man r eine gewisse Ausblutung der Wunde, wäscht dieselbe garnicht — höchstens reinigt man die umgebende schmutzige Haut — oder man badet sie, wo das nötig erscheint, in verdünnter essigsaurer Tonerde, legt dann sauberen Mull daraus und umwickelt den Verband mit einer Mullbinde. Letztere sind in jeder Breite erhältlich. Für größere, breitere, länger fitzende Verbände nimmt man die teureren, aber waschbaren Cambricbinden. Nur bei kleinsten Verbänden folgt auf den Mull gleich die Binde; bei jedem größeren hat auf den Mull eine Schicht Watte zu folgen, über die man dann die Binde wickelt.' Die Binde muß feststtzen, darf aber nicht einschnüren, weil letzteres, von den Schmerzen ganz abgesehen, bedenkliche Folgen haben kann. Bei ganz kleinen Wunden läßt man den Verband so lange auf der Wunde, bis er abfällt. Bei größeren erneuert man ihn nach 2—3 Tagen, dagegen sofort, wenn Schmerzen eintreten oder Durchnäflung oder Fieber. Dagegen laste man den Verband unberührt, wenn es etwas durchblutet. Gerade der gleichmäßige Druck, den der Verband ausübt, stillt die Blutung am besten. Will man den Verand wechseln und klebt der Mull auf der Wundfläche fest, so badet an ihn solange in verdünnter essigsaurer Tonerde, bis er aufgeweicht ist und sich löst. Man reinigt dann nicht viel — höchstens die Umgebung der Wunde — oder betupft die Wundfläche mit sauberen Mullbäuschchen. Was gelockert oder flüssig ist, geht dann mit; was sich nicht aufnehmen läßt, laste man fest, ohne Versuche zu machen, es abzureißen. Dann deckt man wieder Mull, Watte, Binde darüber. Erst wenn die Wunde der Heilung nahe ist und fast trocken erscheint, kann man bester mit Salbe (für 10 Pfennig Borsalbe) verbinden, die dann bis zur Abheilung liegen bleibt. Auch die Salbe oder Zinkpaste streicht man dick auf Mull, bedeckt damit die Wundfläche, dann folgt Watte und Binde. Der Zweck des Mullverbands ist der, daß zunächst eine weitere Blutung verhindert, daß auch die Gefahr einer Vergröberung der Wunde beseitigt und damit größere Bewegungsfreiheit für das ganze

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