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Jüdischer Volksbote · 1913-04-01 · 27 (4.1913) · p. Seite 380

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
27 (4.1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 380 (sequence 10)
Language
German
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sind sämtlich unschädlich. Das kann man dagegen von zwei keimtötenden Mitteln, die früher sehr beliebt waren und auch heute noch nicht aus allen Wohnungen verschwunden find, leider nicht behaupten: von Sublimat und von Karbol. Diese Mittel find starke Gifte und dazu überflüffig, da die oben erwähnten ausreichende Dienste leisten. ES ist ein unerhötter Leichtsinn, Sublimat- oder KarbollSsungen herumstehen zu lassen. Wenn die gelöste Menge nicht die genau vorgeschricbene ist, oder wenn die richtige Lösung zu lange mit der Wunde in Berührung bleibt, ja zuweilen sogar bei völlig richtiger Anwendungsweise kann dos Hautgewebe brandig werden, nnd es kann zu Erscheinungen der Allgemeinvergiftung kommen. Nicht nötig zu sagen, daß es ein Unfug ist, jede kleine Wunde mit Karbolwaster heftig reibend zu waschen. Sublimat und Karbol sind wertvolle Mittel in den Händen des Arztes, der Laie verwende nur esstgsaure Tonerde oder Dermatol. Ist der in die Wunde eingedrungene Gegenstand zu groß, um ihn mit Borwaffer ausspülen zu können, ist z. B. eine Nadelspitze, ein Holzsplitter, Straßenschmutz und dergl. in der Wunde stecken geblieben, so mache man keine schädlichen Vorversuche, besonders führe man nicht Schere, Haarnadel nnd dergl. ein, sondern bedecke die Wunde mit einem seit der Wäsche unberührten Taschentuch und überlaste alles übrige dem Arzte. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß es das denkbar unsinnigste Gebühren ist, den verletzten Finger in den Mund zu stecken. Viele tun das instinktiv, üm den Schmerz zu stillen, andere absichtlich, um durch Saugen an des Wunde die Blutung, die gefürchtete, zum Stillstand zu bringen. Viele fteilich halten es mit der guten alten Lehre: .Mit Spucke heilts bester", und diese Lehre, die etwa dem Niveau der Negerkultur entspricht, erfreut sich auch unter den sog. Gebildeten einer weiten Verbreitung. Der Speichel ist ungemein geeignet, eine Wunde unter Umständen in gefährlichster Weise zu instcieren. Nur wenige Stellen des Körpers sind so reich an Keimen wie die Mundhöhle, die infolge der zahlreichen kleinen Höhlen- und Taschenbildungen infolge ihrer höheren Temperatur, ihrer direkten Verbindung mit der Außenwelt und der vorhandenen Speisereste die Entwickelung einer ungeheuren Bakterienflora begünstigt. Was nun den Verband betrifft, so ist auch hier wieder wichtiger festzustellen, was man zu Unterlasten, als was man zu tun hat. Vor allem gehött auf eine frische,' blutende Wunde nie ein Pflaster. Wir haben mehrfach hervorgrhoben, daß die Wundflüssigkeit — und eine Spur davon ist auch in der geringfügigsten Wunde vorhanden — immer guten Abfluß hüben muß. Wenn also ein Mullverband die Flüssigkeit schön absaugtz so tritt rasch Heilung ein. Wenn aber die Klebemasse des Pflasters kein Tröpfchen durchläßt, so staut sich die Flüssigkeit, es kann zur Eiterung kommen; jedenfalls wird die Heilung

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