Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1913-04-01 · 27 (4.1913) · p. Seite 374

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
27 (4.1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 374 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4903180-5965943-5965982--579-4903723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

374 Heute find es andere, aber nicht weniger mächtige Einflüsse, die mehr das Judentum alS die Juden bedrohen. Der Jude muß stch stets im Zustande der Abwehr befinden gegen machtvolle Eindrücke, die, von außen kommend, das Judentum erdrücken wollen, gegen auflösende und zerstörende Elemente, die von innen stch entwickelnd, noch furchtbarere Feinde find. Und nicht immer find die Kämpfe stegreich. Wenn man einen Blick hinauswirft in das Leben und steht, wie so mannigfach der Abfall, welche Verheerungen im Laufe der letztverfloffenen Jahrzehnte im religiösen Leben find angerichtet worden und wie diese Verheerungen noch immer mehr um sich greifen, da entfinker dem ernstmeinenden Juden schier der Mut. Aber mit jedem jungen Jahr erscheint das Peßachfest, ein gottgesandter Bote, unfern Mut, unser Vertrauen aufs Neue zu beleben; die Natur erwacht aus ihrem Winterschlafe und mit den sonnigen Tagen und mit den sich wiederum belebenden Fluren zieht die Hoffnung M auf'S Neue ein in unftt Herz. Erlösung und Erlösung ist das Losungswort. Es hat schon einmal schlimmer, viel schlimmer gestanden um Israel. Das war damals in Aegypten, alS unser Volk zum ewigen Helotentum verdammt schien; als die Kinder getötet wurden, die Erwachsenen geknechtet waren; als der egyptische Aberglaube, der egyptische Götzendienst stch auch Israels bemächtigt hatte; als unser Volk die Thora noch nicht besaß, an der es fich heutzutage immer wieder und wieder emporrichteu kann; als Israel verurteilt schien, in hartem Sclavendienst, im finstern Wahn zu Grunde zu gehen. Mit einem Male wurde es anders; nach der finstern Nacht ging die Sonne der Erlösung auf; mit starkem Arm befreite der allmächtige Gott Sein Volk und trug es empor zu Sich. Deshalb bis v"n ivn m Saa onxoo sr kvt A’sa ibxj? ns nitnb, in jedem Zeitalter find wir verpflichtet, uns so zu betrachten, wie wenn wir selbst die Erlösung aus Egypten erlebt hätten. Das unerschütterliche Vertrauen auf Gottes Schutz, auf Gottes Hilfe, auf Gottes Gnade, das wir damals erworben, ist uns geblieben für alle Zeiten, und für dieses dreifache Vertrauen gibt uns unser Fest drei Symbole: invi nxo noo, das w Peßachopfer, das ungesäuerte Brot und die bitteren Kräuter. Daher pflegte Rabban Gamliel zu sagen: vom N' lNk' NBva anal rrvbv nos xbv ^>a Es ist Pflicht, diese drei Dinge zu nennen, das heißt, nicht blos sie zu genießen, sondern sie auch durch das Wort zu bezeichnen, sie in ihrer geistigen Bedeutung zu erfassen. Wie durch das Peßachsymbol das Verttauen cluf Gottes Schutz, auf Gottes Hilfe und auf Gottes Gnade stets wieder und wieder zum, Bewußtsein zu bringen ist, das wollen wir in nachfolgendem darzu»' stellen versuchen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.