Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 27 (4.1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ der Tommission für Ländliche Wohlfahrtspflege der freien Vereinigung für 0ie Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. M., Nissan 5673 1913. Mo. 27. 'maust IJjterirauen. (Zum Peßachfeste). Die Zeit seit der Zerstörung des heiligen Tempels in Jerusalem kann fast nach Jahrtausenden bemessen werden. Und was für Jahrtausende leidvoller, kämpfereicher Geschichte! Die Welt hat kein anderes Beispiel, daß ein Volk, jeder Existenzbedingung beraubt, ohne verbindenden Mittelpunkt, zerstreut über den ganzen Erdboden, gehaßt, verfolgt, unterdrückt, sich dennoch erhalten hat in nimmer erlahmender Kraft, in stets sich erneuernder Jugeodfrische. Im Midrasch wird von dem Vogel Chol erzählt, der, der einzige unter allen lebenden Wesen, im Paradiese vom Baume des Lebens gegessen. Dieser glück- liche Vogel — die Völker nennen ihn Phönix — lebt tausend Jahre, und wenn er am Ende eines Jahrtausends alt und schwach sich fühlt, da trägt er aus Indien und Arabien das duftreichste Holz zusammen, zündet es an und setzt sich darauf, und siehe da, aus der Asche steigt der Vogel Chol, jung und jugendkräftig wieder empor. Auch Israel hat vom Baume des Lebens gegessen: rr'n o"n py na D’p’mo1?, die Thora ist ein Baum des Lebens für, die, so fest daran hallen. Unterdes sind -die Kämpfe, die wir zu bestehen hatten und haben» so groß und furchtbar, daß das Herz gar manchmal daran verzweifelt, sie bestehen und überdauern zu können. In den finstern Jahrhunderten des Mittelalters war es die brutale Gewalt, die uns vernichten wollte.