Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 26 (1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Frau eine Krampfader am Unterschenkel platzen, und es kann Verblutung erfolgen, ehe der Arzt zur Stelle ist. Nun, wer in einem solchen Falle aus Unwissenheit oder Kopflosigkeit garnichts befferes zu tun weiß, der lege wenigstens den Verletzten hin und drücke einfach einen großen Bausch Mull oder Watte oder ein sauberes Taschentuch mit aller Kraft gegen die blutende Wunde. Ratsam ist es, den Wäscheschrank zu öffnen, ein frisch gewaschenes Wäschestück herauszunehmen (das heiße Plätteisen tötet die Keime ab) die unberührte Innenseite nach außen zu wenden und nun gegenzupreffen, bis der Arzt erscheint, dem man übrigens gleich sagen lassen muß, daß eine Blutung vorliegt, damit er die nötigen Instrumente mitbringe. Handelt es sich, wie ja meist, um eine Blutung an Armen oder Beinen, so hat jedermann die Möglichkeit, die Blutung mit einem Griff bis zum Erscheinen des Arztes zum Stehen zu bringen und so unter Umständen dem Verletzten das Leben zu erhalten. Wenn er nämlich hoch oben den Oberschenkel oder den Oberarm rings zusammenschnürt, so tritt kein Blut mehr in den Arm hinein und keines aus ihm heraus, der Blutumlauf siebt still und damit auch die Blutung. Am besten greift man also zu einem elastischen Gegenstand, mit dem man die Extremität oberhalb der blutenden Stelle umschnürt, am besten am „dicken Fleisch" des Oberarms oder Oberschenkels. Man greift also zum Gasschlauch oder zum eigenen Hosenträger, zur Not auch zum Handtuch, das man mit einem Stock festknebeln kann, schlimmstenfalls umspannt man die Extremität kraftvoll mit der bloßen Hand. Einen Bausch gegen die Wunde pressen darf man so lange, wie man will. Ein Glied obschnüren darf man mehrer Stunden lang — und bis dahin ist immer ärztliche Hilfe zur Stelle. Wir haben diese kurzen Anweisungen hierher gesetzt, weil sie für jeden einmal praktische Bedeutung gewinnen können und jedem bekannt sein müffen. Sonst sprechen wir nur von den kleinen Wunden, bei denen wie ausgeführt, die Blutung förderlich ist. Weit mehr Aufmerksamkeit als die Frage der Blutstillung, die bei dem Laien viel zu viel Interesse beansprucht, ist die Frage, wie man die kleine Wunde zwecks ungestörten Heilungsverlaufes nun gegen jede Reizung von außen her und gegen Insertion durch äußere Keime schützt, d. h. die Frage des Verbands. Man sei nicht furchtsam, wenn ein nicht sehr sauberes Instrument eingedrungen ist, und unterlaffe alle gewaltsamen Reinigungsversuche, die die Wunde stark reizen; man unterlaffe das Reiben und Bürsten und Netzen. Solche Reitzungen setzen die Neigung der Haut zur Heilung stark herab. Ist wirklich Schmutz eingedrungen, z. B. Teilchen von Erde, so fahre man nicht mit einem Gegenstände nach, um sie herauszuholen, sondern spüle und bade die Wunde, aber nicht mit bloßem Waffer, sondern mit effigsaurer Tonerde oder Borsäure. (Fortsetzung folgt.)