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Jüdischer Volksbote · 1913-01-01 · 26 (1.1913) · p. Seite 366

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
26 (1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 366 (sequence 14)
Language
German
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366 unterdrücken zu wollen, als seien die paar Blutstropfen ein unersetzliches Gut; umso törichter, als die Maßnahmen, die oft zur Stillung der Blutung ergriffen! werden, eine Schädigung der Wunde herbeiführen, während die Blutung an sich ein für die Wundheilung sehr nützlicher Vorgang ist. Inwiefern ist die Blutung ein nützlicher Vorgang? Wir wiffcn, daß es für einen ungestörten Wundverlauf notwendig ist, möglichst die Keime der Außenwelt, die ja mit dem verletzenden Instrument in die Wunde gelangen, von denselben fernzuhalten. Gesetzt alfov wir benutzen zur Ausspülung der Wunde eine Flüssigkeit, die selbst frei von Keimen ist (z. B. Bormafser), so ist dock jede Spülung eine solche von außen nach innen, bei der unvermeidlich all die Keime, die auf der Haut in der Nähe der Wunde sitzen hineingespült werden. Waren die Hände bei der Entstehung der Wunde infolge einer Arbeitsverrichtung geradezu schmutzig, so werden t so ungezählte, vielleicht gefährliche Keime hineingespült. Und wird denn immer keimfreies Spülwasser benutzt? Meist wird vielmehr der blutende Finger unter die Wasserleitung gehalten, deren Wasser, wenn es auch noch so „sauber" ist, dennoch viele Keime enthält. Und all das, um ein paar Tropfen zu sparen! Die natürliche Blutung ist dagegen! ein wirklich zweckmäßiger Reinigungsversuch. Denn das Blut ist eiste keimfreie Flüssigkeit, die die Wunde von innen nach außen durchspült. Sie bringt also keine neuen Keime.in die Wunde» sondern spült die eingeführten heraus. Man spüle also ' überhaupt nicht mit Wasser, wenigstens nicht bei den kleinen, alltäglichen Wunden, lasse dagegen etwas Blut ablaufen und lege erst dann einen kleinen Verband an, durch dessen Druck die weitere Blutung zum Stillstand kommt, zumal das Blut, wenn es aus dem Körper tritt, sehr bald gerinnt, die Oeffnung verstopft und so die weitere Blutung verhindert. Wo, wie bei einem Stich, fast gar kein Blut austritt, drücke Iman einige Trovfen aus, besonders wenn die Rades unsauber war.! Bei sehr oberflächlichen Wunden kommt es garnicht zur Blutung, weil nur die oberste Hornschicht getroffen ist,. die kein Blut enthält. ' Wir sprechen hier nicht von den Verletzungen, bei denen die Blutung nur steht, wenn die Wunde künstlich ausgestopft oder genäht werden muß, noch weniger von denen, bei welchen größere Adern getroffen werden, sodgß das Blut spritzt. Das gehört nicht hierher, weil die Behandlung! solcher Blutungen Aufgabe des Arztes ist. Wohl aber muß hirr gesagt werden, was man zu tun hat, bis der Arzt etscheint. Denn hier handelt es sich oft um kostbare Minuten, an denen daS Leben hängt, und in denen durch Kopflosigkeit Unterlassungssünden begangen werden können, die dann der! Arzr nicht mehr gut machen kann. Solch schwere Fälle liegen über nicht nur dort vor, wo man aus einer Wunde Blut spritzen steht, sondern sie können auch weit harmloser uussehen, ohne deshalb weniger gefährlich zu sein. So kann einer

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