Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 26 (1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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359 „fleischig" und „milchig" mehr, keine Notwendigkeit für UM Fleisch; was gefällt, ist erlaubt, der Freiheit ist eine Gaste geöffnet. Vas wäre ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben eines Juden, von den Richtlinien bespiegelt. Aber das genügt bereits — und man braucht auf die vielen anderen INomente, wie die Ableugnung der Lehre von der leiblichen Auferstehung der Toten (cvien nvtn), vom persönlichen ITtefftas (mro), vom dauernden Priesterberuf der Ahroniden (c'jna) nicht noch hinzuweisen — um begreiflich zu finden, daß die gesetzestreuen Rabbiner nicht zu viel erklärt haben, wenn sie sagen: „Religiöse Entscheidungen und Kutorisiationen dieser liberalen Rabbiner haben fortan keinen Anspruch mehr auf Gültigkeit." wenn mancher in unseren Reihen denkt, . eigentlich ist doch die Abkehr vieler unserer Brüder vom überlieferten Judentum nichts Neues, 'dann sei in einem Bilde das Eigenartige dieser Abkehr gezeigt. Deserteure gibt es bei jedem heererteile. Der Verlust an Fahnenflüchtigen ist immer für das Heer bedauerlich; doch erschüttert er nicht den Staat in seinen Grundfesten. Wenn aber Offiziere, die von einem mit dem Staatsgesetze in grellsten Widerspruch stehenden Geist beseelt sind, im Stammlande eine Sammelstätte für alle, die treulos die Fahne verkästen haben, errichten wollen und ihnen marktschreierisch zur Anlockung zurufen: Kommt zu uns ihr Deserteure. Alles ist Euch vergeben. Bei uns herrscht nicht die unerbittlich strenge Disziplin des alten heeresteiles, wir verlangen nicht den unbedingten Gehorsam. Ihr braucht nur zu den Paraden hie und da die Uniform zu tragen, aber im übrigen könnt ihr ein freies, ungehindertes Privatleben führen; dann ist es für die verantwortlich^ Heeresleitung dringend geboten, diesen falschen Offizieren das Handwerk zu legen. Im Judentum hat es immer caaur, Abtrünnige, gegeben. Sie haben sich losgelöst und find früher oder später zum größten Teil für uns verloren gegangen. Schaut Euch nur um in Eurem verwandten- und Bekanntenkreise, und Ihr werdet Beispiele dafür finden, wie mancher ^sich freigemacht von dem bindenden Gesetze und heute schon in einer INischehe lebt oder mit einem Fuße oder ganz außerhalb des Judentums steht. Aber der eine oder andere hat sich auch wieder heimgefunden. Wenn aber jetzt sogenannte Rabbiner den Abfall sanktionieren, ein neues Gesetz aufstellen, dann ist damit eine unüberbrückbare- Kluft geschaffen. Eine Rückkehr zum alten wahren Judentum ist von jetzt ad ausgeschlosten. Die neuen Gesetzgeber haben ja eine Unterkunftrhütte aus dem weiten schwierigen Rückwege errichtet, die den heimwärts Wandernden an der Stelle» wo die Steilheit erst einsetzt, aufnimmt und vom weitergehen zurückhält. Die mutige Tat der liberalen Geistlichen läßt sich psychologisch begreifen. Die ihrem Hirten folgende Herde ist immer kleiner geworden, der Hirten Ansehen nicht minder. Ihre eigenen Leute stehen in Versammlungen vor einem alten frommen Raw auf und bleiben beim Eintritt der liberalen Theologen — sitzen. Ihre Nebeneinkünfte — die Herren