Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 26 (1.1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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357 wenn die neugegründete Familie ihre Mahnung bezogen, dann Künden an den Türen prangende nin;a den Lin- und Ausgehenden, daß hier ein Gott geweihtes Haus ist. Die Richtlinien wissen nichts von solchem Hausesschmucke. Der jüdische Wann wirkt und schafft drauhen im Leben sechs Tage lang, «r ruht am siebenten Tage und bekundet damit, daß Gott der Besitzer allen Eigentums, der INensch nur ein Verwalter auf Erden ist, der seiner Hände Arbeit einstellt, wenn Gott, der Herr, es befiehlt Die Richtlinien wollen den Sabbat durch häusliche Feier und durch Besuch des Gottesdienstes weihevoll begangen haben. Alles soll vermieden werden, was die würdige Feier stört. Was dieselbe nicht beeinträchtigt, kann nicht als verboten gelten. Nur jede Werktagsarbeit soll unterbleiben. Alle aus der Ausdehnung des Ruhegebots hervorgegangenen Erschwerungen haben keinen Anspruch auf Giltigkeit. Solange die volle Erfüllung dieser Forderung an den wirtschaftlichen verhältniffen scheitert, ist der häuslichen Ruhe, dem Besuch des Gottesdienstes und der Feier des Freitagabends und der Vorabende der Feste erhöhte pflege zuzuwenden. Ihre feierlichen Bräuche: das Anzünden der Lichter, der Llternsegen, der vankesspruch über Wein und Brot sollen in ihrer alten Bedeutung in den Häusern fortleben. Melcher Miderspruch! Auf der einen Seite der Llternsegen, der den Rindern wünscht, wie Efraim und Rlenase, wie Sarah, Ribkah, Rachel und Lea zu werden, der Riddusch mit seinem b? nvyn xSi, die Lichterweihe mit ihrem sich auf ein göttliches (von den Richtlinien geleugnetes) Gebot berufenden Segensspruche — und auf der anderen Seite „die würdige Feier nicht störendes" Feueranzünden, Rauchen von Zigarren, Fahren zu der vielleicht an Stelle von mvcT durch Rlavier und violinfpiel verherrlichten Freitagabendfeier in einer befreundeten Familie. Als ob man von den vielen, den Sabbatstrautz bildenden k Blumen je nach Wahl die eine oder andere herausnehmen, die " übrigen zertreten könnte, ohne die nur in der Ganzheit des Strauhes liegende unvergleichliche Schönheit zu zerstören. „Die Halbheit (und hier handelt es sich ja um einen winzig kleinen Bruchteil) taugt in keinem Stück, sie tritt noch hinter nichts zurück". Wenn der Frühling ins Land zieht, feiert der altgläubige Sude nach wochenlanger, peinlicher Vorbereitung durch die Hausfrau das nvv-Fest mit seinen vielen an die Gewissenhaftigkeit hohe Anforderungen stellenden Geboten in dankbarem Gedenken an die volkergründung. Er zählt sieben Wochen in freudiger Erwartung bis zum rnyat?* ' Feste, das an unsre Geistesbefreiung erinnert, an die göttliche Offenbarung von der Sinaihühe herab. Er beklagt fastend und trauernd am 2N3 nytrn den Fall unseres nationalen Heiligtums.