Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1913-01-01 · 26 (1.1913) · p. Seite 354

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
26 (1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4903180-5965943-5965980--558-4903703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

354 bedingungen" hineingettagen worden. Nach dem altjüdischen Gesetze gibt er keinen geistlichen Stand. Alle sind in gleicher Meise auf das Gesetz verpflschtet. Ja, im Reformjudentum kommt die Scheidung in Geistliche und Laien zu ihrem Rfcht. Dort erscheint die «Laien "gemeinde nur als zuschauendes Publikum,! und die Geistlichen und Synagogenbeamten treten als handelnde personeq auf. Sei uns aber, wo jedes Gemeindemitglied vor djen Vorbeterpult hintreten kann, um als zu amtieren, bei uns gibt es nur Gleichberechtigte. Und darum Ihr indischen Brüder alle, welchem Berufe Ihr im bürger» lichen Leben Luch widmen möget, der Richtlinienstreit geht Luch so gut an wie die Rabbiner, und darum ist es Eure Pflicht und Schuldigkeit, über diese Bewegung,!die «den heute in Israel zum Himmel lodernden Brand" angefacht, Luch ein klares Bild zu schaffen und Luch als Gottesstreiter um das Gottesbanner zu scharen, wenn Ihr wünschet, - und^^ welcher jüdische Vater will das nicht — daß Luere Rinder und Lnkel^^ dem alten Judentum erhalten werden sollen. Was ist es mit| diesen Richtlinien? Im Rriegsjahre 1912 haben sie das Licht der Welt erblickt. 64 liberale Geistliche haben ein neues Glaubensbekenntnis in die Welt hinausgesandt, ein Glaubensbekenntnis, das seinesgleichen fumt, das nichts verbietet, was die Bequemlichkeit störest, was die nichtjüdische Umgebung fremdartig oder peinlich berühren könnte", ein Bekenntnis, «das einen Freibrief gibt für den Abfall vom frommen Glauben und! für die Uebertretung der Gesetze". l Da kann das alte vom Sinai ausgegangene Judentum allerdings nicht konkurrieren. Pie altjüdische Lehre ist kein dekoratives Anhängsel an unsere sonstigen Lebensbetätigungen, das man wie die Runst in den Mußestunden pflegen Hann. Vas jüdische Gesetz begleitet den Menschen auf seinem ganzen Lebenswege. Wir müssen es üben, ob wir im häuslichen Rreise weilen oder ins öffentliche Leben hinaustreten, wir sollen mit ihm uns niederlegen und aufstehen. Jude sein, heißt tapfer Kämpfen, Gpftr bringen, Entbehrungen tragen müssen. Wir können die Richtlinien in ihrem ganzen Umfange hier nich^^ besprechen. Wer sich' genau orientieren will, sei auf ein sehr instruktioe^M Büchlein hingewiesen, das vom Verlag des «Israelit" zu beziehen ist. Ls führt den Titel «Die Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum" und hat Herrn vr. Wohlgemuth, Dozent am Berliner Rabbinerseminar zum verfasse?. Mit Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit wird darin der wahre Tharakter der von den Liberalen als „Wegweiser für das lebende jüdische! Geschlecht" bezeichneten «Richtlinien" im Hellen Lichte gezeigt. Wir wollen jetzt unter Hinweis auf die genannte gediegene Arbeit des Berliner Gelehrten und in Anbetracht des in beschränktem Maße zur Verfügung stehenden Raumes nur von der «religiösen Lebensführung des Menschen" sprechen und an einigen Beispielen zeigen, welcher Gegensatz zwischen der neuen Religion und dem alten Judentum besteht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.