Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 25 (11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 345 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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—?45 - Tage, die jener Versammlung folgten. Erquicklich war diese Zejt nicht, wenigstens nicht für das Trendel. ' Jedes Mal, wenn die Ladenklingel ging, und ein Kunde sich zur Tür hereinschob, wurde es ihm schwindlig vor Angst, es verkroch sich in die hinterste Ecke seines Schubfaches und hätte sich am liebsten ganz unsichtbar gemacht. Es glaubte nämlich, der Käufer hätte es auf seine eigene kleine, zierliche Persönlichkeit abgesehen, und das wäre fürchterlich gewesen! Aber es geschah, daß gerade an diesem Tage, dem 15. Dezember 1911, kein Einwohner der guten Stadt das Bedürfnis hatte, ein Trendel zu kaufen, und daß unser Trendel gesund und heil — wenn auch mit einigen Beulen vom vielen in die Ecke drücken — in Brendels Laden verblieb und daselbst den Ehanuckaball mitfeierte, doch davon später, vorläufig stand es noch Ängste aus, ^verkauft zu werden, und auch seinen Genossen ging es nicht viel anders. ^Nur die „Antiquarischen" waren ziemlich kaltblütig; denn erstens waren sie kein so begehrter Artikel wie das Trendel und zweitens hätten sie auch ohne Ehanuckaball leben können. So sagten sie wenigstens. In den anderen Regalen dagegen ryar gleichfalls „heulen und Zähneklappern", weil viele liebe Genofien daran hatten glauben müfien. Ein paar „Erzählungen für die Jugend" schieden eben mit Tränen in den Augen, vier Kästchen Ehanuckalichter wurden auch meuchlings - zwar nicht geraubt oder erschlagen aber gekauft, und das will in diesem Falle fast dasselbe besagen. Ein Tephillinbeutel von blauem Samt ging weinend von dannen, desgleichen zwei Ehanuckaleuchter von schöner Arbeit. Und es folgten noch eine Menge von Büchern und Schabbesdecken, Tephillinbeuteln und Leuchtern; Herr Brendel konnte zufrieden sein. Für unsere Freunde war es ein Unglück, und diejenigen, die das Geschick gütig vor dem Gekauftwerden bewahrte, waren eitel Freude und Dankbarkeit. — Und dann schlug es Acht! ifjerr Brendel ließ die Läden herunter, schloß die Kafie ab, drehte das Gaslicht aus und verließ den Laden. - Nun rüstete man zum Ball! In allen Fächern und Regalen ^begann das waschen, Scheuern, Reiben, putzen. Frisieren und Umziehen Vas Trendel putzte und rieb dermlaßen an sich herum, daß der „Jost" ihm gütmütig zurief, es solle wenigstens ein gutes haar an sich lafien. Das sonst so schlagfertige Trendel antwortete gar nicht. Es war zu beschäftigt. Den andern ging es ebenso Jeder sah es als seine vornehmste augenblickliche Aufgabe an, sein Außeres so reizvoll wie möglich zu gestalten. Nur „Mendelsohn" hatte noch andere Sorgen. Er präparierte sich auf eine Rede, und das ist ja immerhin eine schwierige Sache, wir wollen ihn deshalb nicht stören und lieber Zusehen, wie Frau Ehanuckaleuchter ihrem Töchterlein immer noch eine Brosche oder Nadel anzustecken versuchte, wie eins der Ehanuckalichter unzählige Tränen vergoß, weil die Friseuse es anscheinend „sitzen ließ", wie Frau Schabberleuchter (leider nur Messing) wie echtes Gold aussehen wollte und kein Mittel unerprobt ließ, um das zu erreichen, wie endlich die Aushilfesrau Staubtuch, M Verein mit dem erprobten Herrn Staubwedel,