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Jüdischer Volksbote · 1912-11-01 · 25 (11.1912) · p. Seite 344

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
25 (11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 344 (sequence 14)
Language
German
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344 Lesefibel hinweg, worüber diese beinahe in Ghnmacht fiel. — »Ihr wißt", fuhr der »Jost" s!ort, »in einer Woche feiern wir Thanuka- Da gab es bis jetzt, so weit i ich alter Mann zurückdenken kann, immer noch etwas besonderes für die Jugend, und ich kann mir Thanuka ohne irgend ein Vergnügen gar nicht vorstellen!" Er hielt inne, denn das Trendel wurde wieder übermütig. Vas trug ihm von allen Seiten strafende Blicke ein, bis es sich eingeschüchtert hinter einen dicken Band Rohns »Bibel- und Talmudschatz" zurückzog. - »Sch möchte also auch dieses Jahr einen Ball Vorschlägen" fuhr der Jost fort, »fürchte aber nur eins. Jetzt vor Thgnuka geht das Geschäft sehr gut, und so kann es passieren, daß bis Montag nicht mehr genug tanzfähige Damen und Herrn vorhanden find. Deshalb schlage ich vor, wir ergreifen die Gelegenheit beim Schopf und feiern schon morgen unfern Thanukaball!" Da brach ein nicht endemwollendes Triumphgeschrei los, man ließ Jost hoch leben, und jeder war mit dem Vorschläge vollkommen einverstanden.^^ Des Trendels Freude kannte keine Grenzen, die Wachslichtchen waren entflammt und tropften gerührt, die Messing-Leuchter liefen vor Vergnügen ganz grün-gelb an. Die silbernen taten das nichtz denn sie hielten es mit ihrer Vornehmheit für nicht vereinbar. Nun bestieg eine Frau Tephillinbeutel die Rednertribüne und wandte sich an die Versammlung. „Meine verehrten Damen und Herren", begann sie zermoniös »vor allem muß ich dringend um Ruhe bitten; denn erstens wird es bald eins schlagen, und somit die Versammlung auseinandergehen, zweitens werden Sie Ihre Kräfte auch noch für morgen brauchen» und drittens ist ein solcher Spektakel für eine feine jüdische Gesellschaft überhaupt unpassend", hier. traf ein vorwurfsvoller Blick das Trendel, das pflichtschuldigst errötete. „Weiter", fuhr die Rednerin fort, »möchte ich Ihnen noch einige Winke betreffs der Toilette geben. Ich halte es für richtig, daß die Damen in Hellen Kleidern und die Herren im Frack erscheinen, wir sind zwar nur unter uns aber ein Ball ist doch immerhin ein Ball!" »Ja", Frau Tephillinbeutel wußte, was sich schickte! Gerade wollte ein naseweiser Band von »Purimfreuden" eine Antwort geben, aber — da scholl es eins durch die stille Nacht. Wie mft einem Schlage veränderte sich das ganze Bild. Das Gas erlosch. Die tzücher begaben sich schwerfällig an ihre Plätze, sogar dar Trendel wurde still, die Wachslichtchen tropften nicht mehr und die Tephillinbeutel krochen in sich zusammen. Als hätte eine schwere Hand darüber gewischt, lo war alles leblos und füll geworden. Aber trotzdem lag ein »Etwas" in der Luft, das man sonst vergebens gesucht hätte. Lin kleiner Geist flüsterte und raunte leise, ganz leise nur, doch die Bücher und die Leuchter und die andern alle schienen es zu hören, denn sie lächelten verständnisinnig, Ich glaube, es klang wie: „Morgen, Morgen!" i Und dieses Morgen kam. Ls dauerte zwar sehr lange, aber wie alles einmal ein Ende hat, so war es auch mit der Nacht und dem

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