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Jüdischer Volksbote · 1912-11-01 · 25 (11.1912) · p. Seite 343

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
25 (11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 343 (sequence 13)
Language
German
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— 343 - Ecke — „hebräische Buch- und Gebrastchsartikelhandlung oonh-Brendel" stand daran - regte sich etwas Noch es in einer Ecke, der langbeinige war es finster darin, aber jetzt rappelte Anzündestock stelzte gravitätisch hervor, stieg auf einen Stuhl, gerade unt^r der Gasflamme und zündete sie von alleine an, genau so sicher, wie )er kleine Lehrling es zu tun pflegte. Die Gasflamme wollte sich nicht beschämen lasten und brannte noch ein» mal so hell als sonst. Es lohnte sich aber auch, denn sie bestrahlte ein gar seltsames Bild. In den Regt len an den lvänden ringsherum regte es sich wie mit, hundert Füßen. Die Bücher alle schienen aus dem Schlafe erwacht zu sein und polterten hervor. Ehanuka- und Schabbesleuchter erhoben sich leichtfüßig und beteiligten sich an der allgemeinen Bewegung. Die mit goldenen „I logen Davids" bessickten Tephillinbeutel blähten sich stolz auf und wacke ten schwerfällig heran. Alles strebte keinem Punkte zu. der großen, breiten Ladentafel, wo heute Versammlung stattfinden sollte. Es war ein seltsames Völkchen, das diesen nächtlichen hokus-pokus trieb. Die angesehenste und edelste Zunft unter ihm waren ohne Zweifel die Bücher. Die. aus dem obersten Regal besonders waren wohlerfahrene Leute, deren Rat etwas in der Gemeinde galt. Es waren die „Antiquarischen"! Sie hatten schon gar Manches in der lvelt erlebt, waren durch viele Hände gegangen, viel - gelesen, gelobt, geschmäht und umstritten worden. Mit der Zeit war ihre! haut gelb, ihre äußere hülle schmutzig und unansehnlich geworden, aber > ihr innerer Gehalt war derselbe geblieben, und den wußte man hielt zu schätzen. Die neuen Bücher waren ganz verschieden von außen wie j>on innen. Da gab es Prachtbände, reich vergoldet, in Leder und in Samt gebunden, und da waren ganz unscheinbare, grau und braun eingebunden. Die ersteren taten sich nicht wenig auf ihre kostbare Gewandung zu Gute; denn sie hatten einmal gehört, daß „ Rleider Leute machen" und bezogen das auch auf sich. Dann gab es noch eine Unmenge von' Machsorim und Siddurim, Thumoschim und Techinnaus, Lehrbüchern und Unterhaltungsbüchern. Einige drängten» .sich vor. andere standen bescheiden im Hintergründe — eine gemischte * Gesellschaft. Die zweite Zunft waren du Leuchter. Da gab es einfache aus Ulessing und Zinn, kostbare aut Silber, zweiarmige und mehrarmige, Schabbesleuchter und Ehanuckali achter - die bunte Menge. Ein paar Trendel kollerten lustig auf dem Ladentische herum. Sie versprachen sich viel von der heutigen Versammlung, die ein wenig Abwechslung in ihr einförmiges Trendeldasein brachte» Die gelben Thanuckalichter hielten sich schüchtern zurück; sie waren leicht gerührt und neigten zu Tränen, prachtvoll gestickte Schabbesdecker breiteten sich auf dem Ladentische aus, damit man sie in ihrer vollen Schönheit betrachten könne. - Endlich war alles versammilt, und der „Jost", einer der „Antiquarischen" erhob sich, um die Versammlung zu eröffnen. „Liebe Freunde und Genosten", begann er. - Lin Trendel hüpfte vor Freude, ein Freund des alten Jost zu sein, in großen Bogen über eine schüchterne

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