Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 25 (11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 340 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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340 der Schnittwunde die Älutäderchen schräg oder quer eröffnet werden, blutet die Wunde stark,! was für die Heilung nur von Vorteil ist, da das Blut die Wunde spült und etwa eingedrungene Keime entfernt. Auch sonst ist die Neigung zur Selbstheilung bei diesen Wunden sehr groß, weil sich hier glatte Wundränder aneinanderlegen, und weil die schneidenden Instrumente ja meist sauber sind. So sehr die Schnittwunden (wegen ihrer Größe und Blutung) überschätzt werden, so sehr werden die kleinen, wenig blutenden Stichwunden unterschätzt. Die eindringende Nadel eröffnet kaum ein Aederchen, aber sie dringt oft tief ein, und so entsteht keine oder fast keine Blutung, aber der Wundkanal ist zuweilen lang, und er schließt sich sofort in ver elastischen Haut. Es ist unklug, sich zu freuen, daß kein Tropfen Blut hervorquillt, sondern rationeller, Blut durch Streichen herauszupreffen. Tritt dann noch eine Verunreinigung, eine „Insertion" ein, so hat die Wundflüfsigkeit bei der Schnittwunde guten Absiuß, so daß sie heilen kann, bei der «Stichwunde aber kann die Flüssigkeit nicht abfließen, pias böse Folgen haben kann. So bringt oft der ungewohnte Anblick des roten Blutqs oder die Furcht vor der Größe der Wunde ganz fatsche Vorstellungen hervor. Die gefährlichste Wunde ist die Quetschwunde; übrigens meist auch die schmerzhafteste, weil hier die Hautnerven am stärksten leiden. Die Heilung der zackigen Wuudränder ist verzögert. Diese Wundränder erhöhen auch aus Gründen, die hier nicht darzulegen sind, die Gefahr der Wundinfection, der Eiterung. Die Blutuujg ist gering. Der Gegenstand, der die Quetschung hervorruft, ist oft schmutzig, oder es dringen bei dem Unfall, der die Quetschung herbeiführt, schmutzige Gegenstände in die Wunde ein. Wenn nicht eine Jnfection eintritt, so heilt jede dieser Wunden von selbst, besonders wenn durch einen kleinen sauberen Verband jede Reizung von außen abgehalten wird. Es tritt geringe Wundflüssigkeit aus, die Ränder verkleben und eine schmale oder, wenn ein Stückchen Hautfläche verloren ging, breitere weißliche Narbe zeigt die Stelle der ehemaligen Durchtrennung der Haut an. Die Gefahr, die bei jeder Verletzung droht, ist die der Jnfection. Während eine große gefährliche Blutung nur bei großen Wunden auftritt, kann eine gefährliche Jnfection auch bei den allerkleinsten Wunden erfplgen. Hier kommt es einzig und allein darauf an, ob gefährliche Keime — gleich bei der Entstehung der Verletzung oder später infolge nachlässiger Behandlung — in die Wunde eingedrungen sind. Was wir unter Jnfection zu verstehen haben, wird dem Leser, der die früheren hygienischen Aufsätze in dieser Zeitschrift verfolgt hat, verständlich sein. Von den unzähligen, unendlich kleinen pflanzlichen Keimen (den Bakterien), die die Luft erfüllen und auf allen Gegenständen hafien, dringen immer eine große Anzahl in die Wunde ein, da ja der Gegenstand, der uns die Wunde beibringt (z. B. die Nadel), mit solchen Keimen behaftet ist. Die inneren Schichten unserer Haut, das Bsut u. s. w. müssen aber frei von Bakterien sein oder, falls