Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 25 (11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 339 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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889 die im Volke gerade bei der Wundbehandlung eingerissen sind und schon manches Leben vernichtet haben. Es ist oft wahrhaft beschämend zu sehen, wie Menschen von hoher Bildung in Ermangelung der einfachsten hygienischen Kenntnisie bei einer kleinen Verletzung ratlos dastehen oder durch irgend eine Torheit Schaden stiften. Natürlich ist hier nur von kleinen Wunden der äußeren Haut die Rede, nicht aber von größeren Verletzungen, stärkeren Blutungen, Schädigungen tiefer liegender Organe u. s. w. Diese Wunden erfordern ein sofortiges Eingreifen des Arztes, und hier wird derjenige am richtigsten handeln, der möglichst rasch einen Arzt zvr Stelle schafft. Jedes Herummanipulieren an Wunden durch einen Unerfahrenen ist streng verboten, da es Gefahren heraufbeschwören kann, die sonst garnicht beständen. Auch -ei der Behandlung der kleinen alltäg- A lich vorkommenden Wunden must es uns oberster Grundsatz sein, jede Vielgeschäftigkeit zu vermeiden und nur das dringenst Notwendige zu tun. Die Praxis lehrt, daß die meisten Fälle, in denen eine Wunde einen gefährlichen Verlauf nimmt, nicht einem Zuwenig, sondern einem Zuviel an Behandlung, meist allerdings durch Unberufene, ihre Entstehung verdanken. Die meisten kleinen Wunden heilen von selbst und bedürfen nicht der unsauberen Spülung und Verkleiftcrung, die die Verheilung nur hemmt. Wir kommen daraus noch zurück. Die Gefährlichkeit einer Wunde ist nicht immer an ihrer Größe zu meffen. Große Wunden am Kopfe heilen meist ohne eingreifende Behandlung, bei etwas Sauberkeit, während eine sehr kleine Stichverletzung mit einer schmutzigen Nadel, die kaum sichtbare Spuren hinterläßt, die schwersten Folgen nach sich ziehen kann. Wird die Haut irgendwo durchtrennt, jo werden dabei auch die allerfeinsten Blutäderchen eröffnet, sodaß die Wunde blutet. Werden bei großen Verletzungen größere Stämme eröffnet, so ist natürlich die Blutung an sich eine Gefahr, die aber der Arzt abwenden kann. Blutet es dagegen, wie nieift, nur tropfenweise, io ist von Gefahr nicht die Rede, und es ist geradezu komisch zu sehen, mit welcher Aengstlichkcit mancher Verletzte bestrebt ist, die paar Tröpfchen Blut zu sparen. Wir werden sehen, daß diese Blutung eine reinigende Wirkung auf die Wunde ausübt, so daß jener Verletzte nicht nur diese Reinigung verhindert, sondern meist noch durch seine überflüfligcn Blutstillungsversuche die Wunde verunreinigt. Da außer den Acderchen auch die feinen Hautnerven mit verletzt werden, so erzeugt die Wiinde bekanntlich Schmerz. Ebenso tritt ein Klaffen der Wundränder ein; doch ist hier natürlich nur von jenen kleinen Wunden die Rede, wo sich die Ränder auch ohne Naht gut aneinander legen. Die gewöhnlichsten Ursachen der Verletzung sind Schnitt, Stich, Riß, Quetschung, Schlag, Verbrennung u. s. w. Eine Schnittwunde muß als die leichteste gelten, obwohl gerade sie dem Unerfahrenen größeren Schrecken bereitet als die Stichwunde. Weil nämlich bei