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Jüdischer Volksbote · 1912-09-01 · 24 (9.1912) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
24 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 326 (sequence 16)
Language
German
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Der Wunderstctb. $♦* Wittelschilkeßrrr Heinrich LinstSdter i» Ar«if»rt «. M. Im anmutigen Tal der Kinzig liegt am Abhang der Dürich, eines Ausläufers deS Vogelsberges, das alte Städtchen Gelnhausen. Ehemals eine Freie Reichsstadt, birgt es in seinen Mauern gar manches Denkmal einer größeren Vergangenheit, wie zum Beispiel die Ruine der mächtigen Pfalz, die so oft den Kaiser Barbarossa und seine hohen Gäste beherbergt hat. Auch die jüdische Gemeinde bewahrt mehrere Denkwürdigkeiten, teils eingegraben in die altersgrauen Grabsteine ihres ehrwürdigen Friedhofes, teils ausgezeichnet auf Papier oder Pergament und zum Teil auch als mündliche Überlieferung eines Heimgegangenen Geschlechtes. Besonders teuer ist den Gelnhäusern die Erinnerung an ihren Rabbiner Samuel Marburg, der fich als Kabbalist und Asket den Namen eines Heiligen und ein bleibendes Gedächtnis erworben hat. Es war am Anfang des vorigen Jahrhunderts, als Gelnhausen, wie schon so oft in früheren Zeiten, den unersehnten Besuch eines gröberen Heerhaufens erhielt. Diesmal waren es Kosacken, die das Städtchen heimsuchten. Sie waren nicht wenig gefürchtet, denn sie plünderten und sengten nicht nur im Lande des Feindes. Insbesondere die Bewohner der Judengaffe fürchteten das Erscheinen der raubgierigen Horde. Maren es doch die Judenhäuser und Synagogen in erster Linie, die der Raublust und der Zerstörungswut ausgesetzt waren. Ängstlich harrten die Juden in ihren Wohnungen der kommenden Dinge. Nur der Rabbiner hatte die seine verlassen. Er stand aufrecht in der Mitte des Hofes, der die Gaffe von der Synagoge trennt, und hielt einen großen Stab in der Hand. Einen mit Wasser gefüllten Eimer hatte er vor sich niederstellen lassen. Es dauerte nicht lange, da stürzten auch schon die bärtigen Krieger durch die Gasse. Sie fanden alle Türen verschlossen, nur die Tore des Synagogenhofes standen offen. Aber kaum hatten sie ihn betreten, da tauchte der Rabbi seinen Stock in das Wasser, und siehe! — aus der Spitze des Stabes sprühte ein dichter Funkenregen, der sich nach allen Seiten hin ergoß. Ein gellender Schrei jähen Schrecks — und die gefürchteten Kosacken stoben in wilder Flucht von dannen. Die Synagoge war gerettet.— In dem ehrwürdigen Gotteshause zu Gelnhausen sieht man links von der heiligen Lade über dem ersten Platze eine kleine Tafel. Sie enthält, unter Glas ein einfaches Papierblättchen mit dem handschriftlichen Psalmverse: Ton 'i (Ich stelle mir den Ewigen stets vor Augen). Hier war der Platz deS Rabbiners Samuel Marburg, und hier ttzar es, wo er im Jahre 1820 während deS

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