Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 24 (9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 325 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der heiligen Lehre zu ersoffen, so sprach man: Thora bechuz! das heißt, Akiba, der am tiefsten eingedrungen ist in den Sinn der heiligen Lehre, ist nicht da; wenn es galt, irgend etwas zu bestiminen, was mit der Matematik, der Astronomie, der Naturlehre oder mit andern Wissenschaften zusammenhing, so sagte man: Akiba bechuz, Akiba ist nicht da. Man beantwortete die Fragen nicht früher, bis man den Fehlenden herbeigeholt, hatte, der sich dann bescheiden zu den Füßen Rabbi Elieser's setzte. Es währte nicht lange, so erhoben die großen Lehrer Israels ihren bisherigen Schüler Akiba aus der Reihe der Schüler zum Lehrer, und ein großer Kreis wißbegieriger Jünglinge sammelte sich um ihn. Zwölf lange Jahre hatte Akiba seine Frau und seine Kinder nicht gesehen. Nur einmal war er entschlossen gewesen, sie zu besuchen. Als er an die Pforte seines Hauses kam, hörte er laute, streitende Stimmen Einer der Nachbarn machte Rahel Vorwürfe, daß sie mit unwandelbarer Treue dem Manne anhing, der schon so lange in der Fremde weile und sie gewiß längst vergessen habe. .Warum," fragte der Nachbar, .willst Du noch länger um dieses Mannes willen den Haß Deines Vaters auf Dich laden? Zerreiße das Band, welches Dich an diesen Undankbaren knüpft und kehre reuig zu Deinem Vater zurück, und er wird Dich und Deine Kinder mit offenen Armen aufnehmen." „Schilt meinen Gatten nicht," antwortete Rahel; „daß er so lange fortbleibt, geschieht 'mit meiner Einwilligung, auf meinen Wunsch. O, möchte er doch ein großer Lehrer in Israel werden, so würde ich mich nicht grämen, wenn er auch noch längere Zeit fortbliebe." Und Akiba hörte draußen die Worte des edelsinnigen Weibes und kehrte wieder nach Jabneh zurück ohne seine Frau und seine Kinder umarmt zu haben. Jetzt war der edlen Rahel Wunsch erfüllt, und Rabbi Akiba beeilte sich, nach Hause zurückzukehren; seine zahlreichen Schüler begleiteten ihn. Forts, folgt