Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 24 (9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 323 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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323 O e den Spötter nicht zurecht, er möchte Dich sonst hassen; strafe den Weisen, und er wird Dich lieben." - Auch in wissenschaftlicher Beziehung hatte Akiba einen harten Stand; er durfte es nicht wagen, inmitten dieser großen gelehrten Versammlung den Mund zu öffnen und sich an »den gelehrten Diskussionen zu beteiligen; er fühlte, daß sein Wissen noch zu gering wgx. So saß 'er zwölf lange Jahre zu den Füßen seiner Lehrer, wie ein Stummer, der den Mund nicht öffnet, und oftmals gab Rabbi Elieser seiner Mißachtung über diesen stummen Schüler Ausdruck; aber Rabbi Josua den Chananja erkannte die Größe seiner Aufmerksamkeit trotz seines Schweigens. Akiba, erzählen die Weisen, glich während dieser ganzen Zeit einem Händler, der, einen großen Korb auf seinem Rücken tragend. Alles einkauft, was nur zu kaufen ist: Weizen, Gerste, Flachs rc.; er nimmt es und legt Alles in seinen großen Korb. Wenn der Händler, schwer beladen, nach Hause zurückkehrt, dann sortiert er die gekaufte Waren; er legt den Weizen besonders, die Gerste besonders und so all die übrigen Gegenstände, die er eingekauft. In dieser Weise verfuhr Akiba; er nahm in sein Gedächtnis alles auf, was im Lehrhause verhandelt wurde, und in der Einsamkeit suchte er sich alles Erworbene zurecht zu legen. Bei diesem ungeheuren Wissensdurste verfuhr er manchmal mit der größten Kühnheit. Er folgte seinem Lehrer Rabbi Josua überallhin, um dessen Benehmen zu beobachten. — Einst hätte er sich durch seine Wißbegierde beinahe ernstlichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt. Er begegnete eines Tages einem der größten Männer jener Zeit, Rabbi Nechuniah, den man wegxn seiner großen Gelehrsamkeit „den Großen" nannte. Rabbi Nechuniah war ein Genosse des Rabbi Jochanan ben Sackai gewesen und stand daher zu jener Zeit schon im hohen Alter. Ihm trat Akiba entgegen und fragte ihn: Rabbi, wie hast Du es angefangen, daß Du so alt geworden bist? — Die Diener des Rabbi Nechuniah sahen in dieser Frage eine Beleidigung ihres Herrn, wollten den kühnen Frager ergreifen und ihn für seine Keckheit bestrafen. Akiba entfloh und kletterte auf einen Baum. Von der Spitze des Baumes herab rief er: Rabbi, da schon Kebes ein Lamm bedeutet, warum steht noch einmal echad (ein)? (4. B. M. C. 28). — Laßt ihn, sprach darauf Rabbi Nechuniah zu seinen Dienern, er ist ein Gelehrter und hat nicht aus müßiger Neugierde gefragt, wieso ich so alt geworden, sondern um zu lernen. — Da