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Jüdischer Volksbote · 1912-09-01 · 24 (9.1912) · p. Seite 322

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
24 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 322 (sequence 12)
Language
German
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322 Nur noch kurze Zeit währte NachumS Krankheit; bald nachher beweinte ganz Israel den Tod deS großen Lehrers. Akiba beschloß nun, nach Jabneh zu gehen, wo damals die größten Lehrer Israels lehrten. An der Spitze der Hochschule stand Rabbon Gamliel, der Fürst. Er war ein Nachkomme Hillels, und seine Familie war jetzt seit länger als hundert Jahren in dem Besitze der fürstlichen Würde. Auf Hillel war dessen Sohn Schimeon gefolgt, auf diesen dessen Sohn Gamliel; auf diesen dessen Sohn Rabbon Schimeon ben Gamliel, der im Kriege des Vespasianus umgekommen war. Sein Sohn Gamliel war damals noch zu jung, um zum Fürsten der Gotteslehre erboben zu werden; deshalb war Rabbi Jochanan ben Sakai an dessen Stelle getreten. Nach dem Tode desselben hatte man Rabbon Gamliel zum Oberhaupte erwählt. Ihm standen die großen Lehrer Rabbi Elieser ben Horkinas und Rabbi Josua ben Chanania zur Seite. Außer ihnen gab es noch viele große Männer in Jabneh, von denen wir nur Rabbi Tarphon und Rabbi Jochanan ben Nuri nennen wollen. Hier war der Ort, wo der heilige Born der Gotteslehre in reichster Fülle sprudelte; hier konnte Akiba seinen gewaltigen Wissensdurst befriedigen. XII. Akiba hatte in Jabneh anfangs einen sehr schweren Stand; vielfach hasteten ihm noch die Gewohnheiten seines früheren Lebens an, die nicht der Reinheit und Heiligkeit der Lebensweise der großen Männer entsprachen, welche sich um Rabbon Gamliel, Rabbi Elieser, und Rabbi Josua schaarten. Rabbon Gamliel führte sein Fürstenamt mtt großer Strenge; selbst die großen Männer, die ihm zur Sette -standen, entgingen manchmal, wie wir später sehen werden, der Zurechtweisung nicht; um wie viel härter wurden die Schüler von ihm behandelt! Und Akiba fehlte in so manchen Dingen, teils aus Unwissenhett, teils aus alter Gewohnheit. Rabbi Jochanan ben Nuri war es, der die Verfehlungen des nicht mehr jungen Schülers unerbtttlich zur Kunde des Fürsten brachte und ihm dadurch oftmals harte Strafe zuzog, wie Rabbi Jochanan es selbst bezeugt: (Erechin 16d.) „Ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen an, daß Akiba vielmal um meinetwillen bestraft wurde, da ich ihn bei Rabbon Gamliel verklagte; aber er liebte mich deshalb um so mehr, ganz, wie es heißt: Weise

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