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Jüdischer Volksbote · 1912-09-01 · 24 (9.1912) · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
24 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 321 (sequence 11)
Language
German
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321 Akrbcr.) Historische Erzählung von Rabbiner vr. M. Lehmann. G V (Fortsetzung). „Ich selbst," antwortete Nachum, .habe mir das Alles zugezogen. Ich wollte einen Besuch machen in dem Hause meines Schwiegervaters, und bei mir waren. drei Esel, beladen mit Speisen, Getränken und allerlei Kostbarkeiten. Als ich ankam, stellte sich mir ein Armer in den Weg und bat: Gab mir zu essen, Rabbi, sonst sterbe ich Hungers! — Warte, antwortete ich ihm, bis ich abgeladen habe. — Noch war ich mit Abladen beschäftigt, als der Unglückliche starb. Da rief ich aus: Wehe, wehe, ich habe den Tod dieses Mannes verschuldet! — Ich warf mich über ihn und sprach: Meine Augen, die Dein nicht geschont haben, mögen erblinden; meine Füße, die gezögert haben. Dir zur Hilfe zu kommen, mögen erlahmen; meine Arme, die Dir nicht rechtzeitig Nahrung gereicht, mögen erstarren, — und mein Körper möge sich mit Geschwüren bedecken I" .Wehe mir," rief Akiba, „daß ich Dich in diesem Zustande erblicke!" „Wohl mir," antwortete Nachum, .daß ich die Strafe für mein Vergehen in dieser Welt erhalte." Trotzdem Nachum auf seinem Schmerzenslager lag, hörte er nicht auf, seine Schüler in der heiligen Thora zu unterrichten. Als einst während eines harten Winters viel Schnee gefallen war, konnte das leichtgebaute Haus, in welchem sich Nachum befand, die schwere Schneelast nicht tragen und drohte einzustürzen. Die Schüler beeilten sich, das Bett des kranken Lehrers hinauszutragen. Nachum aber sprach: „Meine Kinder, räumt erst die Gefäße hinaus; denn ich weiß, so lange ich mich in diesem Hause befinde, wird es nicht einstürzen. — Und so geschah es. Nachdem das ganze Haus ausgeräumt war, trugen die Schüler das Bett des kranken Lehrers ins Freie. Kaum hatten sie mit ihm das Haus verlassen, so stürzte dieses zusammen. *) Mit Genehmigung der Verlagsbuchhandlung I. liauffmann in Frankfurt a. M. zum kbdruck gebracht. Nachdruck verboten.

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