Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 24 (9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 318 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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318 Der ScbuLcban-A^uch. Unter diesem Titel hat Herr Rabbiner vr. Liebermann, Berlin, eine Schrift herausgegeben*) an Hand denn fich auch der Unkundige einen Begriff zu machen vermag von der Mannigfaltigkeit und Wesensart der Schulchan Aruch. Wir empfehlen die Schrift allen unseren Freunden zur Anschaffung und bringen mit gütiger Erlaubnis der Lerfafferjs in dieser und in dm folgenden Nummern unseres Blattes auszugsweise einige intereffante Abschnitte. * * * Unter den rabbtnischen Schriften aus jüngerer Zeit erlangte von Rabbi Josef Karo (zuletzt Rabbiner in Safed, Palästina, woselbst er 1575, im Mer von 87 Jahren starb) verfaßte „Schulchan Aruch' besonderes Ansehen. Die Bedeutung dieses Werkes beruht auf der leichtfaßlichen Darbietung und übersichtlichen Gliederung des religionsgesetzlichen Stoffe?, durch welche eS zu einem Volksbuch werden konnte. Jnwiefem diese Vorzüge allgemeine Beachtung her- - vorriefen, erhellt auS folgendem. Der Talmud und die an ihm anknüpfenden Kommentare bestehen nämlich nicht aus einer fortlaufenden Sammlung von Vorschriften, sondern au8 religiös-wissenschaftlichen Verhandlungen, die meist in Form von Frage und Antwort, von Beweisführung und Widerlegung gehalten und gelegentlich durch Weisheitsprüche vertieft, mit sinnvollen Betrachtuugeu und Gleichnissen geschmückt find. Nur tiefgründiger fachmännischer Gelehrsamkeit gelingt eS, aus dieser mit diSkuffionsartiger Lebendigkeit abrollenden Darstellung unmittelbar die gültige Entscheidung herauSzuschäleu. Die Vielgestaltigkeit der praktischen LebenSverhältniffe weckte daher schon in alter Zeit das Verlangen nach einem einheitlichen Werk, welches die ReligionSvorschriften^ in endgültiger Festsetzung und sachlicher Anordnung aufführt und dieU)) Orientirung auch ahne vorherige gelehrte Untersuchung ermöglicht. Der geistesgewaltiye Moses MaimonideS (1135—1204) unternahm zum ersten Mal eine derartige Bearbeitung des gesamten jüdischen Religionsgesetzes. PieS Werk heißt darum »Mischne Tora' (Zweite Thora' oder Wiederholung der Thora'). Nach ihm schuf R. Jakob b. Ascher (gestorben um 1340) eine neue Zusammenstellung, „Arbaa Turim' d. h. „Vier Reihen' benannt. R. Josef Karo, der zu diesem Ritualbuch einen von umfaffender Belesenheit und scharfer Urteilskraft zeugenden Kommentar schrieb, war dazu berufen, den so erweiterten Stoff von neuem in ein System zu bringen. Drei Jahrzehnte seines Lebens (1522—1552) widmete er dieser hohen Aufgabe. Dem vollendeten Kodex gab er den Namen *) Der Schulchan Aruch von Rabbiner vr. Lieb ermann. Zweite erweiterte Auflage. Berlin 1912. M. Poppelauer. 40 S. Preis 60 Pfg. drosch. Mk. 1— geb.