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Jüdischer Volksbote · 1912-09-01 · 24 (9.1912) · p. Seite 314

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
24 (9.1912)
Date
1912-09-01
Page
Seite 314 (sequence 4)
Language
German
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314 Seite steht, um die Gewährung unserer Wünsche rechtfertigen zu können, daß wir nur auf Gottes unendliches Erbarmen rtthnen dürfen und auf seinen großen, allmüchttgen und zu ehrfürchteuden Namen, dessen Träger zu sein wir gewürdigt wurden. Die weisen Ordner unserer Gebete haben eS verstanden, all' diesen Wünschen und Hoffnungen, diesen Empfindungen und Stimmungen den zutreffendsten Ausdruck zu geben in jener Reihe von Sätzen, die sämtlich mit den Worten 1:3^9 w?« »unser Vater, unser König' beginnen und im Anschluß an die rn^y, morgens und nachmittags gesprochen von den ersten Morgenstunden deS neuen JahreS bis zur selig-ernsten Neüahstunde führen. Es ist nun aber eine ausgesprochene, immer wieder nachzuweiW) sende Eigentümlichkeit unserer Gebete, daß ste, obgleich zum großen Teil unseren Anliegen an Gott Ausdruck verleihend, doch in allererster Linie fast noch mehr an uns selbst als an Gott gerichtet find. Bestimmt, zur Erleuchtung, zur Reinigung und Läuterung unseres Inneren von uns ausgenommen zu werden, sollen sie nicht nur Gott unsere Wünsche aussprechen — der doch ohnedies alle unsere Gedanken und Anliegen kennt, lange, ehe sie von unseren Lippen strömen, ja, noch ehe sie uns selbst bewußt werden — sondern sie sollen vor allem den Betenden der Erfüllung seiner Bitten würdig machen, indem sie sein Gemüt erheben und läutern, seinen Willen auf alles Gute und Gottgefällige lenken und dafür kräftigen und endlich dadmch wiederum sein tätiges Leben bessern und vervollkommnen. So liegt auch der Schwerpunkt der Owinu Malkenu-Bitten nicht so sehr in den durch sie ausgesprochenen Wünschen, sondern in den beiden jeden Satz einleitenden Worten „unser Vater, unser König'. Ihre beständige Wie-E) derholung läßt ja schon auf eine ttefere Bedeutung schließen. Nur wenn^^ es Dir mit den beiden Worten »Owinu Malkenu' ernst ist, bist du wett, daß deine Bitten Erhörung finden. Nicht wahr, wir pennen wohl alle von Herzen gern Gott »unseren Vater'. Liegt ja doch in dieser Bezeichnung die ganze unendliche Liebe, auf die wir als Geschöpfe und Kinder unseres Gottes stets mit Sicherheit rechnen dürfen, die selbst dem gesunkensten, unwürdigsten Menschen niemals verloren gehen kann. Es gibt keine innigere und schönere Bezeichnung für Gott, keine, die so viel Trost und Erhebung in sich süßt, wie eben das Wort „Vater', einen Namen, mit dem wir alle ohne! Unterschied Gott nennen dürfen. Ob wir aber

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