Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 24 (9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 315 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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31b auch den anderen, nicht minder lehrreichen und bedeutungsvollen Sinn, -er in diesem Watte liegt, erfaffen, und wenn wir e8 tun, auch recht beachten? Der Jude denkt ja oder soll wenigstens denken, wenn er -aS Wott »Vater* vernimmt, nicht nur an die unendliche Liebesfülle, -ie eS in fich schließt, sondern ebenso an den großen Kreis von Pflichten, -en es ihm vergegenwärtigen soll, td? und *Ot1D »Ehre und Ehr» furcht* find die Empfindungen, die schon dem leiblichen, irdischen Vater gebührm, um wievielmehr dem himmlischen! Wir denken vielleicht aber eher an die Vaterliebe als an die Sohnes Pflicht. Und -och läßt Gott schon durch seinen Propheten ein entartetes Geschlecht fragen: Tia? rm 3» d#i „Wenn ich Vater bin, wo bleibt denn Mchie mir geschuldete Ehre*. Sollte es nicht gut und nützlich sein, wenn auch wir uns einmal diese Frage vorlegen, und sollte die Antwort auf sie nicht sehr ernste Vorwfirfe und Mahnungen enthalten? Wenn aber schon das Wort für uns des ernsten und niederdrückenden Sinnes nicht entbehrt, so ist das noch viel mehr mit -er zweiten Bezeichnung der Fall. Gott ist uslpa »unser König*. Gerade die Seite unseres Verhältnisses zu Gott, die in diesem Worte fich ausspricht, wird am Rosch-haschonoh ganz besonders eindringlich and oft hervorgehoben. Gott ist König! Ihm bist du Gehorsam schuldig mit jedem Funken deiner Kraft, mit jedem Splitter deiner Habe, du bist ihm verantwortlich für jede Tat, für jedes gesprochene Wott, für jede Regung deiner Seele und für jeden flüchtig verrinnenden Moment deines Lebens. Gemessen an diesem Maßstabe, erscheint uns -unser ganzes bisheriges Dasein so arm, so nichtig und unwürdig, daß wir es kaum wagen, uns bittend an den Hort unseres Lebens zu M)wenden. Aber dennoch ist dieses Bewußtsein inneren Unwertes, die Zerknirschung und Beschämung, die von den beiden Worten 133^3 wo« in uns geweckt wird, keineswegs das letzte und höchste Ziel, zu dem -er Rausch-haschonoh uns führen will. Erhebung, Läuterung, Besserung, ein reineres Herz, ein reinerer besserer jüdischer Wandel, das ist der eigentliche Sinn, ist Frucht und Blüte unserer Jomim nauroim. Es find das ganz dieselben Wahrheiten und Mahnungen, die uns der Dreiklang des Schaufor mit seinen „weckenden*, „gebrochenen", „jammernden" und „rufenden" Signaltönen, mit seinen ni'3^3, rmrqt und nnoitf in die Seele rufen will: Gott ist/ König, Richter, Vater und Gesetzgeber! Der einfache, glatte Tekiah^ Ton verkündet Gott als unseren Herrn und Richter; der gebrochene.