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Jüdischer Volksbote · 1912-07-01 · 23 (7.1912) · p. Seite 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
23 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 306 (sequence 12)
Language
German
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306 Akiba. Historisch« Erzählung von Rabbiner vr. M. Lehmann. (Fortsetzung). /Das Amt eines Richters", sagte Akiba nachdenklich, „birgt eine schwere Verantwortlichkeit in sich. Das Gericht ist Gottes, heißt es in der heiligen Schrift. Der Richter, lehren die Weisen, welcher wahrhaft und recht urteilt, ist gleichsam ein Genosse Gottes beim Schöpfungswerk. Der Richter mutz, wenn er zu Gericht sitzt, der Hölle Abgrund zu seinen Füßen schauen, denn die schwersten Strafen treffen ihn, wenn er leichtsinnig und unbedacht sein Urteil fällt. Um wie viel mehr, wenn er Bestechung nimmt oder sonst absichtlich die Wahrheit fälscht! Und zu solch einem Amte soll ich Dir Glück wünschen? Das ist eine schwere Last, unter welche Du Deine Schulter beugtest." „Du fassest", sagte Clemens lächelnd, „diese Ausgabe viel strenger auf, als sie jemals ein Römer aufgefaßt hat. Für mich ist daS Amt eines Prätors eine hohe, fast kaiserliche Ehre, der Inbegriff der höchsten Macht während der Abwesenheit des Imperators. Um die Person des Herrschers dreht sich in Rom Alles; sein Wille ist Gesetz." „Gestatte mir, o Herr", sagte Akiba, „Dich mit den Lehren des Judentums in Bezug auf diesen Punkt bekannt zu machen. Einst, in grauer Urzeit, lebte ein glückliches Geschlecht auf Erden. Männer und Frauen erreichten ein hohes Alter und kannten weder Krankheit noch Schmerzen. Die Erde gab reichlich ihren Ertrag, und Niemand wußte von Nahrungssorgen." „Das goldene Zeitalter!" unterbrach ihn Domitilla. „Wohl, Herrin", fuhr Akiba zu reden fort, „ein goldnes Zeitalter in Bezug auf die Natur und ihre Gaben; aber die Menschen mißbrauchten die köstlichen Geschenke Gottes, sie ließen zügellos ihre Leidenschaften walten, es enfftand die größte Sittenverderbnis, und die Erde war voll von Gewalttat; der Starke bedrückte den Schwachen, raubte ihm sein Weib und machte seine Kinder zu Sclaven. Da beschloß der allmächtige Gott das sündige Geschlecht von der Erde zu vertilgen, und nur Noah und die Seinen, die fromm waren und in

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