Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 23 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 307 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Gottes Wegen wandelten, fanden Gunst in den Augen des Ewigen. Und der Allmächtige Gott befahl dem Noah, eine Arche zu bauen, ein großes Schiff für ihn und seine Familie und die Tiere, die Gott retten wolltet Dann ließ Gott es regnen vierzig Tage und vierzig^ Nächte lang, und die Schleußen des Himmels wurden geöffnet, und die Quellen des Abgrundes stiegen empor, und eine furchtbare Flut überströmte den Erdboden, bedeckte die höchsten Berge, und alles Lebendige. ertrank bis auf die Fische, welche im Wasser leben, und bis auf Noah und die mit ihm in der Arche waren." „Deukalionl" rief Domitilla. „Wer ist Deukalion?" fragte Akiba. „Deukalion", antwortete Domitilla, „war der Vater des Hellen, des Stammvaters der Hellenen oder Griechen. Er war der Sohn des Prometheus und der Gemahl der Pyrrha. Als Zeus, der Vater der Götter, das Menschengeschlecht durch Wasser zu vertilgen beschlossen hatte, verfertigte er auf den Rat seines Vaters einen hölzernen Kasten, in welchem er mtt seiner Gemahlin während der neuntägigen Flut auf den Gewässern umhergetrieben wurde, und endlich auf dem Parnaß, als sich das Wasser verlief, landete. Auf seine Frage, wie er die Erde wieder bevölkern könne, erhielt er vom Orakel die Antwort, er und seine Gattin sollten die Gebeine ihrer Mutter hinter sich werfen. Diesen dunklen Ausspruch deuteten sie also, daß ihre Mutter die'Erde und deren Gebeine die Steine seien. Sie taten, wie das Orakel befohlen, und aus den von Deukilion geworfenen Steinen wurden Männer, und aus den von Pyrrha geworfenen Weiber." „Es ist möglich", sagte Akiba, .daß die Griechen, sich eine Erinnerung an die große Flut bewahrt haben; jedenfalls Horben sie die Geschichte entstellt. Doch laß mich in meiner Erzählung fortfahren Herrin. — Als die große Flut vorüber war, und Noah die Arche verließ, gab Gott ihm und seinen Söhnen Gesetze, und eins von diesen Gesetzen ist die Pflicht, Recht und Gerechtigkeit auf Erden walten zu lassen, den Schwachen vor der Gewalt des Starken zu schützen, damit die Erde nicht wieder voll werde von Bosheit und Unrecht. Das ist das heilige Amt des Richters, das Leben und das Eigentum seiner Mitmenschen vor Räubern uud Unterdrückern zu bewahren. Wenn nur der Wille des Einzelnen Gesetz sein soll, so wird die Erde wieder voll von Gewalttat, und kein Mensch ist seines Lebens und seines Eigentums sicher. Nur das Gesetz soll herrschen auf Erden und