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Jüdischer Volksbote · 1912-07-01 · 23 (7.1912) · p. Seite 303

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
23 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
Seite 303 (sequence 9)
Language
German
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303 Fritzens Gottvertrouen ließ in seinem Herzen keine Furcht aufkommen. Er erfüllte gewissenhaft seine Pflicht gegen seinen Kriegsherrn, wie er sie noch stets gegen Gott erfüllt hatte, und empfahl dem - die Sorge für sein Leben, in deffen Hand die Geschicke aller Menschen liegen. Auch in das feindliche Land begleiteten ihn seine Thephillin. Da er schon oft vor Tagesanbruch auf dem Marsche war und sie in diesen Fällen erst später anlegen konnte, hatte er sie beständig in seinem Waffenrocke stecken, um sie stets sogleich zur Hand zu haben. Sie bewahrten seinem Herzen auch inmitten der Schrecken des Krieges den inneren Frieden und schützten sein Gemüt vor allen verrohenden Einflüssen, denen ungläubige Menschen in solchen Zeiten am meisten erliegen. Aus vielen Gefechten und Schlachten war unser Freund unversehrt hervorgegangen, als ihn bei Orleans eine feindliche Kugel traf. Schwer verwundet sank er in einem Getreidefelde nieder. An ihm vorbei brauste das Toben des Kampfes Durch den großen Blutverlust verließ ihn das Bewußtsein. Stundenlang lag er so inmitten einer großen Anzahl Toter, denn erst in der Nacht konnten die Sanitätsmannschaflen das weite Schlachtfeld absuchen. Die Lei mundeten wurden in die Lazarette verbracht, während die Toten in Massengräbern bestattet wurden. Ein Sanitätssoldat sah beim Scheine einer Laterne Fritz ins regungslose Gesicht. Er befühlte die schon erkaltete Hand, horchte flüchtig an der Brust und rief seinem ihm folgenden Kameraden das Wort zu, das er beute schon so oft hatte sprechen müssen: — .Tot!" Dieser wollte nun die Taschen des Gefallenen untersuchen, damit sein Besitz nicht etwa eine Beute jener elenden .Hyänen" werde, die auf den Schlachtfeldern ihren Vorteil suchen. Da fühlte er in der Brusttasche etwas Hartes. Er öffnete den Uniformrock »nd fand die Thephillin. .Also ein Glaubensgenosse!" sprach er bedauernd vor sich hin. Er legte sein Ohr nochmals auf die Brust des Gefallenen, und jetzt, nachdeni der Rock geöffnet war, vernahm er — einen schwachen Herzschlag. Sofort rief er zwei Leute mit einer Tragbahre herbei und ließ den Bei mundeten ins Lazarett bringen. Z»m Glücke erwies sich die Wunde garnicht als sehr gefährlich. Nur der starke Blutverlust hatte Fritz derart geschwächt, daß er gewiß hätte sterben müssen, wenn die Hilfe nur einige Minuten später gekommen wäre. Unter der sorgfältigen Pflege einer barmherzigen Schwester genas er und konnte nach mehreren Wochen mit vielen anderen Verwundeten in die Heimat geschickt werden. Als er am Sabbat zum erstenmale wieder zur Synagoge ging, sprach er mit tiefer Rührung vor geöffneter Thorarolle die Birkas

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