Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 23 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 302 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Leute" namens Schunk. Er erfand immer neue Belästigungen und quälte Fritz derart, daß dieser fast zusammeubrach. Eines Tages traf es sich bei einer Schwimmübung im ^Flusse, daß Fritz und jener Schunk die letzten in der langen Reihe der Schwimmenden waren. Da wurde Schunk plötzlich ohnmächtig und sank unter, ohne daß eS einer außer seinem Nachbarn gewahrte. Dieser sah kaum den Kameraden finken, als er schon untertauchte und ihn am Arme faßte Aber an jener Stelle war die Strömung des Flusses stark, und Fritz hatte schwer zu kämpfen, um den Körper des Ohnmächtigen 'über Wasser zu halten. Seine Kräfte schwanden, und er mühte sich vergebens, das Ufer zu erreichen. Doch trotz der eigenen Gefahr ließ er den Kameraden nicht los. Endlich bemerkte ihn der die Übung leitende Offizier. Ein Nachen wurde losgemacht, und bald waren die beiden Soldaten am sicheren Ufer. Lange dauerte es, bis Schunk unter den Bemühungen eines Arztes wieder zur Besinnung kam. Als er aber dann hörte, unter welchen Umständen und vom er gerettet worden war, da stürzte ein Tränenstrom aus seinen Auien. Er suchte seinen Lebensretter auf, und indem er seine Kniee umfaßte, bat er ihn unter krampfhaftem Schluchzen und tausend Beteuerungen der Reue um Verzeihung für seine Roheiten. Als Fritz am nächsten Morgen betete, stellte sich Schunk mit einer Klopfpeitsche in der Hand vor ihn, bereit, sich sofort auf jeden zu stürzen, der den Andächtigen nur mit einer Miene kränken würde. Aber Fritz bedurfte dieses Schutzes garnicht. Es fiel keinem der Soldaten ein, ihren Kameraden wieder zu verhöhnen. Vielmehr suchte jeder, durch allerlei freundliche Dienstleistungen sein Unrecht wieder gut zu machen. Der eine putzte ihm das Riemenzeug, der andere ordnete sein Bett, wieder einer besorgte ihm das Frühstück, und gar manchmal mußte sich Fritz der vielen Aufmerksamkeiten geradezu erwehren. So verfloß der Rest seiner Militärzeit in recht angenehmer Weise. Als Fritz zur Reserve entlassen wurde, trug er die Rettungs-Medaille und die Ünteroffizierstreffen. Sein ehemaliger Feind und jetziger Freund Schunk, der im bürgerlichen Leben Schneider war, hatte es sich als besondere Vergünstigung erbeten, dem jungen Vorgesetzten die Abzeichen seines Grades aufnähen zu dürfen. VI. Nicht lange hatte Fritz den Soldatenrock abgelegt, so rief ihn das Schicksal wieder zum Dienst für König und Vaterland. Der deutsch-französische Krieg war ausgebrochen. In langen Zügen brachte die Eisenbahn die deutschen Krieger über den Rhein. Bald standen sich die feindlichen Heereskörper einander gegenüber, und in heißem Ringen mußte die Ehre des Vaterlandes verteidigt werden.