Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 23 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 300 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Die Prüfungen in der Galnmd-Cborascbule Isnpma in Pctba<b-tEil{Wab. (Übersetzung auS No. 176 der Jerusalemer Zeitung »Moria" vom 29. März 1912). Zwei bedeutsame Tage brachte die letzte Woche unserer Kolonie, die Tage, an denen die Prüfungen in der unter Leitung des Herrn Dr. Auerbach stehenden Talmud-Thoraschule blTW' mtJ vor sich gingen. Nachdem die von den Lehrern vorgenommene interne Prüfung, die acht Tage in Anspruch nahm, zu Ende gegangen war, konnten am Sonntag und Montag, den *8. und 29. Adar, die allgemeinen öffentlichen Prüfungen stattfinden, an denen außer dem Oberrabbiner auch der Gaon, Oberrabbiner Kuck aus Jaffa und Rabbiner I. Horovicz, der Vertreter der „Pekidim" in Amsterdam und der »Freien Vereinigung" teilnahmen. Die anwesenden Rabbiner prüften die. Schüler insbesondere in den religiösen Disziplinen: Thora. Tenach, und Talmud. In letzterem Fach fiel die Prüfung so gut aus, daß sie auch einer größeren Thoralehranstalt zur höchsten Ehre gereichen könnte. Die prüfenden Rabbiner entwickelten eine weitgehende talmudische Discuffion mit den Schülern und stiegen mit ihnen in die Tiefen der Halacha hinunter. Und doch wurde von ihnen jede Frage prompt und befriedigend beantwortet. Die Prüfung in den Talmudpartien, die unter Leitung des Herrn Dr. Lewin stehen, lenkte die besondere Aufmerksamkeit der Examinatoren nach sich. Ei» eigener Zauber wohnt seiner Lehrmethode iune, die sich dadurch auszeichnet, daß sie die Schüler den Gang der Halacha auch in ihrem historischen Zusammenhänge begreifen und klar in der Sprache der Mischnah zum Ausdruck bringen läßt. Ueberhaupt muß konstatirt werden, daß sich der Einfluß des Herrn Dr. Lewin auf die Schule sehr vorteilhaft bemerkbar macht. Die Prüfung in Tenach war mit einer solchen in der hebräischen Grammatik verbunden, und die Schüler zeigten gründliche Kenntnis, sowohl des Lehrgegenstandes, als der grammatikalischen Gesetze der Sprache. Ueberaus gut siel auch die Prüfung in den profanen Fächern: Jüdische Geschichte, Weltgeschichte, Mathematik, Geographie und Naturkunde aus. Jede Klaffe befand sich auf gewünschter Höhe. Bemerkt wurde, wie sehr die Lehrer bestrebt sind, auch mittels der profanen Lehrfächer bei den, Kindern Liebe zur Religion zu erwecken. In den Unterrichtsgegenständen, die unter persönlicher Leitung deS Direktors stehen, nahm dieser selbst die Prüfung vor. Nach Beendigung der Prüfungen des ersten Tages gingen alle Schüler mit ihrem Handwerkszeug in den Schulgarten, wo jeder das unter seiner Obhut stehende Pflanzftückchen bearbeitete. Die Rabbiner waren hoch erfreut über diese Leistungen und spornten die Schüler mit warmen Worten an, die Arbeit auf dem heiligen Boden der Väter nicht als eine rein materielle, sondern auch als eine geistige zu betrachten. Unter hebräischen Liedern