Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1912-05-01 · 22 (5.1912) · p. Seite 292

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
22 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 292 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4903180-5965941-5965976--485-4903635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

292! übten; ferner zu den verschiedenartigsten Badezimmern und Bädern. Außerdem war noch ein Zimmer vorhanden, in welchem Erfrischungen verabreicht wurden, und ein Lokal zum Ballspiele eingerichtet. — Das war die äußere Eintichtnng der römischen Thermen, deren Umfang viele Morgen Landes einnahm; die innern Räume prangten von der Pracht des eroberten Goldes und waren ungefüllt mit jenen vollkommenen plastischen Kunstwerken, welche aus Griechenland hergebracht waren. Als eines Tages Akiba alle diese Herrlichkeiten bewunderte, legte sich eine Hand auf seine Schulter, und sein Freund und Beschützer, der Prätor Flavius Clemens stand vor ihm. X. „Nun, A^iba," fragte Clemens, „betrachtest Du Dir die Wunderwerke unserer prächtigen, weltbeherrschenden Roma?" „Rom ist groß und schön und herrlich," entgegnete Akiba, „aber all sein Sinn und Trachten ist nur auf den Genuß des irdischen Lebens gerichtet; alle diese Herrlichkeiten werden einst zerfallen, wie die Götter, die hier angebetet werden." „Nimm Dich in Acht, Akiba, und zügle deine Zunge. Eigentlich sollte ich als Prätor, als oberster Richter dieser Stadt, wozu mich des Kaisers Gnade für die Dauer des Germanischen Feldzuges gemacht hat. Dich wegen Beleidigung der Götter bestrafen lassen. Doch fürchte nichts. Du stehst unter dem Schutze eines Höheren, wie ich es ja bei der Ueberfahrt über das Meer gesehen habe. Aber ich bemerke zu meinem Erstaunen, daß Du unsere Sprache jetzt geläufig sprichst. Komm mtt mir in mein Haus l Ich will Dich meiner Gemahlin vorstellen; Domitilla wünscht schon lange. Dich kennen zu lernen." Die Gemahlin des*Clemens, Domitilla, war eine Enkelin des Kaisers Bespasian, eine Schwestertochter der beiden Kaiser Titus und Domitian. „Hier," sprach Clemens, als er mit Akiba das Gemach seiner Gemahlinbetrat, „bringe ich Dir unfern jüdischen Gast, dessen Gebet wir es verdanken, daß wir nicht im Meere ertrunken sind." „Sei mir willkommen, mein Gastfreund," sprach Domstilla, „ich sehne mich schon lange danach. Dir meinen Dank abzustatten."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.