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Jüdischer Volksbote · 1912-05-01 · 22 (5.1912) · p. Seite 291

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
22 (5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 291 (sequence 15)
Language
German
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291 sammlungssäle und für jede Witterung geschützte Hallen. Die anmutigsten Lust Haine, die mit hohen inajestätischen Platanen beflanzten Spaziergänge machten diese Institute zu wahren Elyseen. Auf jedes Alter und auf-jede individuelle Qualität der Besuchenden war Rücksicht genominen; ein Jeder fand hier vor, was er zum Heile seiner körperlichen und geistigen Entwickelung bedurfte. Hier sah man große herrliche Plätze (Kpbkwes) innerhalb des weiten Kreises, welchen die colossale Mauer der Thermen beschrieb, ans welchen Knaben sich durch zweckmätzige Leibesübungen zu tüchtigen und kräftigen Bürgern und zu tapfern Kriegern heranbildeten, ihre Gewandheit im Wettrennen und Ringen erprobten und sich in Werfen nach einem Ziele (Vj->cu8) übten. Unweit dieser Plätze erblickte man Teiche (Piscinen), worin sich Schwimmende ergötzen. An einem andern Teile der Thermen hielten sich die Philosophen und Denker, Gelehrte und Künstler jenes Zeitalters auf.' Unter schattigen Platanen und ätherischen Blumengerüchcn bei dem Plätschern der Fontaine» wurde der Geist zum Nachdenken hingezogen und das Gemüt in edler Weise angeregt. Hier hörte.man gelehrte Discussionen der Philosophen, Dichter ihre Reime deklamatorisch vorgetragen, welche mit Bewunderung von ihrem Auditorium ausgenommen wurden. Nicht selten aber auch geißelten Satyriker ihr Auditorium mit beißenden Reden. Anders wieder begaben sich in die Bibliotheken, um ihrem Geiste in stiller Einsamkeit Nahrung zu verleihen. Durch große Platanen-Alleen gelangte man von diesem Orte der Gelehrsamkeit, der in der Regel nördlich lag, zu den östlich und westlich sich befindenden Plätzen der Leibesübungen und den Gesellschaftssälen der Jugend und zu den Teichen. Im Halbkreise errichtete Amphitheater boten den Anwesenden Plätze dar, damit sie den Uebungen der Athleten und Gymnastiker zusehen könnten. Das eigentliche Gebäude der Thermen lag in der Mitte. Der gegen Mittag gelegene Eingang hieß 1'beatrjckjnm; hier befanden sich Stufen, auf welchen die vornehmen Römer saßen und sich durch Plaudern und Schauen unterhielten. Bon diesen Stufen aus, die sich rings um das ganze Gebäude erstreckten, gelangte man zu den verschiedenartigsten Lokalitäten, wie zur Salbstube, wo das Einsalben und Einölen des Körpers geschah, zum Oonisterium, dem Orte, wo sich die Ringer mit Sand bestreuten, zur Palästra, einem Lokal, worin dir Leibesübungen für Kranke und Gesunde stattfinden, und sich die Fechter

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