Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 22 (5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4903180-5965941-5965976--483-4903633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
290 Titel Germanicus als Ueberwinder der Deutschen annehmen. „Wohl/ sprach er, „ich will es versuchen, ob dieser Erde die Kraft innewohnt, die Du ihr zuschreibst, mein Clemens. Unterdes magst Du die Gefangenen in Verwahrung nehmen bis zu meiner Rückkehr von den Ufern des Rheins; dann will ich weiter über sie verfügen." Clemens begab sich sofort zu den Gefangenen und führte sie in sein Haus. Hier nahm er ihnen das Versprechen ab, in Rom zu bleiben, und gewährte ihnen dann volle Freiheit. Akiba verbrachte den größten Teil des Tages bei seinem Lehrer Nachum, dessen Unterricht geradeso wie in Gimso genießend. Einen Teil seiner Zeit wandte er dazu an, die große Weltstadt kennen zu lernen. In Rom befand sich schon zur damaligen Zeit eine zahlreiche jüdische Gemeinde, in der es mehrere hervorragende Männer gab. Der große Lehrer der römischen Juden, Theodoros, ein Freund und Zeitgenosse des großen Rabbi Jochanan den Sackai, war kurz zuvor verstorben; von den vielen Schülern desselben suchte Akiba soviel als möglich zu lernen. Sie waren in Besitze mancher Traditionen in Bezug auf die religiösen Vorschriften, die das Leben der Juden außerhalb des heiligen Landes regeln, denen Akiba in seinem gewaltigen Wisiensdurste nachforschte. Im Umgänge mit ihnen veroollkommnete er sich derart im Gebrauche der lateinischen Sprache, daß er sie bald correct und geläufig sprach. Ein römischer Jude, Namens Apella, führte ihn in der Stadt umher und zeigte ihm die bedeutendsten Bauwerke derselben. Namentlich waren es die Thermen, die öffentlichen Bäder, welche die Bewunderung des Fremdlings erregten. In diesen Bädern konnten 3000 Menschen zu gleicher Zeit baden; 2OO marmorne Säulen zierten das Gebäude, in welchem 1600 marmorne Bänke zum Sitzen aufgestellt waren. Die einzelnen Bäder hießen Balnea und der Bademeister balneator, welche Bezeichnung in der abgekürzten Form „Balon" häufig im Talmud vorkommt. — Nicht allein für die körperliche Entwickelung des Menschen war in diesen Thermen durch die mannigfachsten Bäder, wie durch laue, warme, kalte Wannenbäder, heiße Dunstbäder, Schwimm und Lokalitäten eiche u. s. w., so wie d^rch große Plätze für die Leibesübungen gesorgt, sondern auch auf die Cultur des Geistes war im höchsten Grade Rücksicht genommen. Redner, Philosophen. Dichter und andere Gelehrte hatten in diesen Thermen eigene Der-