Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 22 (5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 283 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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283 Einst zogen die verheerenden Seuchen durch die Lande, vernichteten Millionen von Menschenleben und wüteten jahrelang gegen die ohnmächtige Menschheit. Heute sind Seuchen von diesem Umfange ein Märchen geworden. Man fängt die ersten Fälle, die man frühzeitig feststellen gelernt hat, ab, isoliert sie und beschränkt den Kreis ihrer Ausdehnung auf ein enges Gebiet. Diese Erfolge dankt die Menschheit den Fortschritten der Wissenschaft, den hygienischen Einrichtungen, über die wir heute verfügen, nicht zum geringsten aber der persönlichen Hygiene, dem wachsenden Verständnis für die Anforderungen einer hygienischen Lebensweise. Ueberblickt man die Erfolge, so erkennt man, daß sie dem klaren, selbstbewußten Vorgehen der Menschen nach wohlerkannten Grundsätzen zu danken sind, nnd daß hier wie anderwärts weder dem Furchtsamen, noch dem fatalistischen, -sorglosen Menschen die Erfolge blühen. Ein jeder hat in seinem und der Menschheit Interesse die Pflicht, zu seinem Teil gegen die Gefahren anzukämpfen, voll Vertrauen und ohne Furcht. Die Mittel, die er hierzu zu ergreifen hat, sind dieselben, die ihn zugleich auf eine höhere Stufe der kulturellen Entwickelung heben tverden. Wie von selbst führen uns diese Betrachtungen auf ein verwandtes hygienisches Gebiet. Wenn wir im vorausgehenden die Sauberkeit als den wichtigsten Faktor im Kampfe gegen die Ansteckungsgefahr gefeiert haben, so sei daran erinnert, daß auch auf einem anderen Gebiete der Sauberkeit der hygienische Ehrenplatz anzuweisen ist: in der Wundbehandlung. Davon fei im Folgenden die Rede. vle Mepbilli». I. Abschied von der Heimat zu nehmen, das ist oft das erste harte Muß, das an den Menschen unsanft herantritt und unerbittlich der goldenen, glücklichen Kindheit ein Ende bereitet. Das kennt ihr, die ihr als Städter geboren seid, meistens nicht, und ihr wißt darum wohl auch nicht zu schätzen, wie groß das Glück ist, in der Umgebung der Eltern möglichst lange bleiben zu können. Das Landkind aber, das im zarten Alter seine Eltern und sein Heimatsdorf verlassen mußte, um in ein Geschäft oder in eine andere Schule einzutreten, das das Heimweh gefühlt und das harte Brot der Fremde gekostet hat, es weiß, daß die Trennung von den Eltern im Kindesalter zu den schwersten Prüfungen des ganzen Lebens zu zählen ist. Und Fritz Bremer stand vor dieser Prüfung.