Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 21 (3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 374 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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374 schwierig ist; aber das ist nicht Sache jedes einzelnen Menschen, sondern der Behörden und der Aerzte. Wodurch aber jeder einzelne sich selbst untz damit seine Umgebung gegen tägliche Ansteckung schützen kann, das ist hauptsächlich jene hygienische Lebensweise, die einmal zur Gewohnheit geworden, dem Menschen keinerlei Entbehrungen mehr auferlegt. Daß aber diese Lebensweise zur Gewohnheit werde, das muß eines der Ziele der Erziehung durch Eltern und Lehrer, aber auch der Selbsterziehung sein. Ohne daß das Berständnis für hygienische Lebensweise auch in den großen Massen Platz greift, kann den großzügigen Maßnahmen zur Einschränkung z. B. der Lungenschwindsucht kein irgendwie radikaler Erfolg beschieden sein. Inwiefern ist nun die hygienische Lebensweise ein Schutz gegen die Ansteckungsgefahr? Wir wollen diese Frage nunmehr beantworten, was uns nach den vorausgehenden Darlegungen nicht schwer fallen kann. In Verbindung damit wollen wir einige praktische Winke und Warnungen anführeu. Wir wollen uns hier nicht mit dem Fall befassen, daß sich etwa ein mit einer ansteckenden Krankheit Behafteter in der Wohnung befindet. Bekanntlich pflegt man. solche Fälle, z. B. ein diphtheriekrankes Kind, von den gesunden Menschen zu isoliren und sucht die Absonderung des Kranken nach ärztlicher Vorschrift zu entgiften und seine Berührung durch Gesunde zu verhindern. Nach Abheilung der Krankheit werde» die Gegenstände, die mit dem Kranken in Berührung gekommen sind, nach Vorschrift „desinfiziert". Die Person, die den Kranken pflegt, vermeidet jede unnötige Berührung mit den Absonderungen des Kranken, übt peinlichste Sauberkeit und desinficiert ihre Hände nach Vorschrift, und zwar jedesmal sofort, wenn die Hände ansteckende Stoffe berührt haben. Viel mehr interessiert uns hier der Schutz gegen die täglich drohende Ansteckung aus unbekannter Quelle. In den allermeisten Fällen, in denen jemand z. B. an Lungenschwindsucht erkrankt, gelingt es uns zwar nachzuweisen, daß der Betreffende durch Vererbung eine Neigung zur Krankheit hat, aber in den allerwenigsten Fällen gelingt es uachzuweisen, von welchem kranken Menschen die Ansteckung herrührt. Ist doch die Gelegenheit hie^n im täglichen Leben eine tausendfache. Ein Kuß, ein gemeinsam benutztes Trinkglas kann die Quelle des Siechtums sein. Gegen diese Ansteckungsgefahr ist das sicherste und wirksamste Mittel die allgemeine Sauberkeit. Wenn wir oben von der hygienischen Lebensweise als der ersten Vorbedingung zum Erfolg sprachen, so hatten wir hierbei die Gewöhnung an Sauberkeit in erster Linie im Auge. Je sauberer die Menschheit werden wird, desto gesünder wird sie sein. Erst mit der genaueren Kenntnis von den Lebensbedingungen der Batterien hat man verstehen lernen, daß die Sauberkeit nicht allein einer ästhetischen Forderung entspricht, sondern daß der Schönheitssinn des Menschen der Pfadfinder und Wegweiser zur Gesunderhaltung des Körpers ist. Je mehr der Verbrauch an Seife steigen wird, desto stärker werden die Erkrankungsziffern sinken. Wenn uns Schmutz Ekel und Widerwillen einflößt, so sind auch diese Gefühle sehr wohltätige Instinkte, die uns vor der Gefahr warnen. Denn