Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 21 (3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 370 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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870 'befindet sich mein Lehrer, ein frommer, heiliger Mann, -er im Begriffe steht, zum Besten seines Volkes eine heilige Mission luszuführen. Er wird nicht im Meere ertrinken, und um seinetwillen werden auch wir gerettet werden. Beten wir zum Herrn des Weltalls, daß er uns von unseren Drangsalen befreie, daß er dem Sturme Schweigen gebiete und Ruhe den Wogen des Meeres." So sprach Akiba, dann erhob er seine Hände gen Himmel und rief: .Herr des Weltalls, Du Schöpfer des Himmels, der Erde und des Meeres, Du einziger Gott, allgütiger Vater, erbarme Dich unser 1" Und in das Gebet Akibas stimmten sie alle mit ein, der Schiffshauptmann und seine Leute, der Steuermann und die Ruderer und auch der vornehme Römer. Da legte sich der Sturm und die Wogen fingen an, sich zu besänftigen. Freudig ging die Bemannung des Schiffes wieder an die Arbeit; der Römer aber sprach .zu Akiba: »Gelobt sei der Gott Israels, der Dein Gebet erhört hat. Mein Name ist Flavius Clemens; ich bin dem Kaiser nahe verwandt; solltest Du in Rom einer Fürsprache bedürfen, so bin ich gerne bereit. Dir zu dienen." Einige Tage nachher lief das Schiff in den Hafen von Brundisium ein; aber die jüdischen Reisenden waren von der Seekrankheit erfaßt, die sie auch nicht sofort verließ, als sie an das Land gestiegen waren. Wankenden Schrittes mußten sie in die Stadt geführt werden, wo sie in einer Herberge das Ende der schweren Krankheit erwarteten. IX. Während die Mitgieder der jüdischen Deputation krank und ihrer Sinne nicht mächtig auf ihren Lagerstätten lagen, musterte die Frau des Wirtes das Gepäck ihrer Gäste und fand zu ihrer Ueberraschung das schöne, wundervoll gearbeitete Kästchen, welches die Huldigungsgeschenke für den neuen Kaiser enthielt. Sie nahm es und brachte es ihrem Manne. Dieser öffnte das Schloß und erblickte voll Gier den reichen Inhalt. »Jetzt sind wir reich," sprach er zu seiner Frau, »ich werde den Schatz herausnehmen und in meinem Garten vergraben." »Und das Kästchen?" fragte die Frau, »das wundervolle Kästchen! Wollen wir das nicht auch .-behalten?"