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Jüdischer Volksbote · 1912-03-01 · 21 (3.1912) · p. Seite 369

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
21 (3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 369 (sequence 13)
Language
German
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369 bis unten, wußte jeden einzelnen Bestandteil desselben zu nennen, und lernte den Rudersührern und Steuerleuten ihre Handgriffe ab. Von seinem Lehrer ließ er sich von den Wundern des Meeres erzählen und von den mannigfachen Pflanzen und Tieren, die darin wachsen, leben und weben. „Siehe," sprach Nachum, .von Allem, was auf dem trockenen Lande existirt, gibt es etwas Aehnliches im Schooße des Meeres: einen Seehund, einen Seelöwen, einen Eisbär, eine Meerkatze, eine Meermaus, ein Seepferd und wie sie alle heißen; nur das Wiesel findet allein sich auf dem trockenen Lande, kein ihm ähnliches Geschöpf lebt im Schoße des Meeres; daher heißt auch das trockene Land in unserer heiligen Sprache Cheled, was mit Chuldah, Wiesel, zusammenhängt." „Wahrlich," antwortete Akibä, „jetzt erst verstehe ich die Worte des Psalmisten: Die da hinabfahren auf das Meer in Schiffen, die da Arbeit verrichten in den vielen Gewässern, sie haben gesehen die Werke des Ewigen und seine Wunder in der Flut." Und siehe, es war. wie wenn er durch sein Wort die Fortsetzung des Psalms heraufbeschworen hätte. Es entstand ein furchtbarer Surm, und die Wellen stiegen hoch empor; sie stiegen hinauf bis zum Himmel; sie sanken hinab bis zum Abgrund, und die Seelen der Reisenden verzagten; diese wankten umher wie die Berauschten und entflohen in den untern Schiffsraum. Nur Akiba blieb auf dem Verdeck, um den Schiffern zu helfen. Diese aber erbebten vor dem schrecklichen Sturme, und alle ihre Weisheit war zu Ende. „Wir müssen sterben," sagte der Schiffshauptmann mit bebenden Lippen. Die Ruderer hatten die Ruder sinken laffen, der Steuermann versuchte nicht mehr das Schiff zu lenken. Enffetzen malte sich auf den Gesichtern aller Matrosen. Ein vornehmer Römer, der sich mit seiner Gemahlin auf dem Schiffe befand, hatte diese in den untern Schiffsraum geleitet, 'und war jetzt wieder heraufgekommen. Er hörte die Worte des Schiffshauptmannes und Entsetzen erfaßte auch ihn. Da begann Akiba zu reden, und seine Stimme übertönte das Getöse des Sturmes und der Wellen. „Meine Brüder," sprach er, „verzweifelt nicht! Der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der den Sturm hat erstehen lassen, wird ihn auch wieder schweigen heißen. Im untern Schiffsraum

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