Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 21 (3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 371 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4903180-5965941-5965975--463-4903614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
371 „Nicht doch/ entgegnete der Mann, „viele Leute wissen, daß dieses Kästchen mit den Fremden in unser Haus kam. Das würde an uns zum Verräter werden. Ich werde es mit Erde füllen, verschließen und wieder zurückstellen.* Und so geschah es. Als die Reisenden sich wieder kräftig genug fühlten, um sich auf dem Weg zu machen, öffnete Nachum das Kästchen. Es war mit Erde gefüllt; das Gold und die Diamanten waren verschwunden. Ein furchtbarer Schrecken ergriff die Mitglieder der jüdischen Deputation; Nachum aber sprach: „Auch das zum Guten!" Nikodemus, Abujah und Akiba wollten zum Prätor eilen und die Wirtsleute gefangen nehmen lassen. Nachum aber sprach: „Was kann uns das nützen? Die Leute werden behaupten, daß sie von nichts wüßten. Den Schatz aber werden sie so verborgen haben, daß es unmöglich sein wird, ihn aufzufinden. Wir sind Fremdlinge in fremdem Lande und werden hier unser Recht vergeblich suchen. Begeben wir uns ohne Aufenthalt nach Rom und liefern wir das Kästchen mit dem Inhalt ab, den es durch Gottes Fügung jetzt erhalten. Der allgütige Gott wird es zum Guten lenken." „So laß uns," sprach Nikodemus, „nach Judäa zurückkehren und eine neue Sammlung veranstalten." „Wer sagt Dir," entgegnete Nachum, „daß unsere zweite Reise besser gelingen wird als die erste? Bedroht uns nicht wieder dieselbe Geffchr? Gott, der uns aus den Fluten des Meeres gerettet hat, wird den Zweck unserer Reise gelingen lassen." Niemand wagte mehr zu widersprechen, und sie machten sich auf den Weg. Nach einigen Tagen gelangten sie in die Nähe der großen Hauptstadt der Welt. Schon von weitem hörten ste das Getöse der lärmenden Menge. „Nur durch Israels Sünde," sagte Nachum zu Akiba, „ist Edom groß geworden. Ursprünglich war das untere Italien eine meerumflossene Insel. An dem Tage, an welchem Salomo die Tochter des ägyptischen Königs als seine Gemahlin heimführte, stieg der Engel Michael vom Himmel hernieder und stieß ein Rohr ins Meer; dieses setzte Schlamm an, und so entstand allmählich das feste Land, welches Oberitalien mit Unteritalien verbindet. — (Fortsetzung folgt).