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Jüdischer Volksbote · 1912-03-01 · 21 (3.1912) · p. Seite 367

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
21 (3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 367 (sequence 11)
Language
German
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— 367 . — haben. Aber auch wir haben die geistigen Waffen, all diesen Strömungen stegreich zu widerstehen. In der Tatsache der Offenbarung unserer Lehre, in ihrer bisher unerreichten Ethik und Kultur und endlich in unserer religiösen, ja göttlichen Literatur. Freilich stehen uns diese Waffen nicht ohne weiteres zur Verfügung, sondern wir muffen sie uns aneignen, sie scharf halten und uns in ihrem Gebrauch üben, vor allem durch das Studium der Thora. Dann wird Israel auch ferner seiner großen Aufgabe genügen, ein Bote Gottes an die irrende Menschheit zu sein. Die Versammlung hörte in tiefftem Schweigen voller Spannung und Ergriffenheit den packenden Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Munk zu. Als er aber geschloffen hatte, da entlud sich die Begeisterung in einen fast nicht cndenwollenden Beifallssturm. Der Präsident verkündet darauf, daß der Vorstand die Drucklegung des Dr. Munk'schen Vortrages beschlossen habe und daß die Kosten soeben durch eine Sammlung aufgebracht worden seien. Auch dazu gab die Versammlung ihre Zustimmung. Leider war die Zeit so weit vorgeschritten, daß sich der letzte Redner des Tages Herr Moritz A. L o e b, Berlin, mit seinem Bortrage : „Die Bedürfnisse des deutschen Ostens* sehr kurz fassen mußte, obgleich er bedeutungsvolle praktische Vorschläge zu machen hatte. Er wies auf den beständigen Rückgang der jüdischen Bevölkerung im Osten und auf die damit für das Judentum verbundenen Gefahren hin und zeigte, daß man doch durch manche Mittel, wie z. B. durch Erhaltung der jüdischen Volksschulen und durch Einführung neuer, lohnendet Erwerbszweige vieles tun könne, um diesen gefährlichen Einflüssen entgegenzutreten. So habe z. B. im Kreise Neutomischel die Abwanderung der Juden nach der Einführung des Hopfenbaues aufgehört. Auch ließe vielleicht sich heute bei dem zweifellos festgestellten Bankerott des Antisemitismus von der Staatsregierung erreichen. ihre bisherige Praxis aufzugeben und die Einwanderung russischer Juden im Osten zu dulden. Diese moralisch und geistig sehr hoch stehenden Elemente würden sicherlich daun in kurzer Zeit vollständig deutsch werden. Auch diese leider infolge der kurzen Zeit sehr knapp gehaltenen Ausführungen fanden großen Beifall. Mit Dankensworten an die Redner wurde die Tagung geschlossen, und man ging mit Hochrufen auf uusern Herrn Ehrenpräsidenten auseinander. Die Veranstaltung bedeutet sowohl wegen ihrer Größe als auch wegen ihrer bedeutungsvollen rednerischen Darbietungen einen ungeheuren moralischen Erfolg für die „Freie Vereinigung*, und auch der materielle Erfolg in Gestalt von Anmeldung neuer Mitglieder und reichen Spenden blieb nicht aus. Am Abend faud noch ein außerordentlich gelungenes Festbankett in den Räumen des Hotel Mylius statt, zu dem sich ca. 180 Teilnehmer eingefunden hatten. Auch die Jugend war stark vertreten. Die leiblichen Genüsse waren von unserm bewährten Restaurateur Herrn Neuweck in bekannter Bortrefflichkeit hergestellt. Die Reden und sonstigen Darbietungen ließen sehr bald eine freudig gehobene Stimmung, eine echt jüdische nnotf mxo bv aufkommen. Ein tief empfundener, von Frau Kommerzienrat Marx gedichteter und von Frau Dr. C a l v a r y eindrucksvollst und

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