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Jüdischer Volksbote · 1912-03-01 · 21 (3.1912) · p. Seite 366

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
21 (3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 366 (sequence 10)
Language
German
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S66 dieser Frage za einem günstigen Abschluß kommen. Betr. der F e n e r» bestattung richtete der Verein eine Eingabe an den Minister deS Innern, der dem Recht der Gemeinden auf ihre Friedhöfe zugestimmt hade. _ Den jüdischen Soldaten, an die zahlreiche Versuchungen herantreten, die ihre religiösen Pflichten auf die Prob« stellen, wende der Verein besonders ihr. Augenmerk zu- Die im Verein eingesetzte Sp^ialkommisfion habe das innfangreiche Material dem Kriegsminister bereits eiagereicht. Es handelt sich dabei um die Möglichkeit der rituellen Verpflegung und Betätigung der gottesdienstlichen Vorschriften. In der ländlichen Wohlfahrtspflege hat sich der Verein intensiv betätigt, besonders durch Vorträge über religiöse Fragen. Die Zeitschrift „BolkSbote" hat eine weite Verbreitung gefunden. Der Verein hat angeregt und erhofft, daß di« Viehzüge so gelegt werden, daß der Eabbath nicht verletzt zu werden brauche. Weiter war er tätig auf dem Gebiet, die jüdischen Mädchen für Heimarbeit za erziehen, und in der Frage der landwirtschaftlichen Beschäftigung der Juden. Die Subventionen von 17000 Mark kamen fast ausschließlich kleinen Gemeinden zu statten, besonder» zur Unterhaltung der Schulen, Auftechterhaltung der Gottesdienste in leistungsschwachen kleinen Gemeinden. Ausbildung der Jugend zu Lehrern und Schächtern- Bezüglich Literatur undPresseistzu erwähnen, daß der jüdisch« Volksschriftenverlag großen Aufschwung genommen hat Die weftcre Schaffung von Schriften ist in Aussicht genommen. Ein Hauptaugenmerk wandte der Verein der Palästinaarbeit zu. Schwer war den Brüdern dort die Hand zu reichen. Unser Schulwerk hat die Aufgabe, im Lande unserer Vorväter einen Stamm bodenständiger, mit der Ueberlieferung vertrauter Bevölkerung heranzubilden. Bieher find v Schulen gegründet worden, deren glänzende Leistungen vollste Anerkennung gefunden haben- Der Verein könnte auf dem beschrittenen Wege noch erfolgreicher fortschreiten, wenn die Mittel reichlicher fließen würden' Unter großem Beifall der Versammlung erwähnte der Redner das Verständnis und Entgegenkommen der hohen Staatsbehörden gegenüber den Bedürfnissen der gesetzestreuen Judenheit. Da der Bericht der Freien Vereinigung nächstens im Druck erscheint, so können wir uns für jetzt ein näheres Eingehen auf die einzeluen Punkte desselben ersparen. Nach einer etwa 20 Minuten währenden Pause, die zu eifriger Propaganda für die Freie Vereinigung und zu einem flotten Vertrieb der Büchlein des Jüdischen Volksschriftenverlages ausgenutzt wurde, erhielt Rabbiner Dr. M u n k-Berlin das Wort zu seinem Vortrage: „Die Fortdauer des überlieferten Judentums im Wechsel des Zeitgeistes". Es. ist unuiöglich die tiefen geistvollen Ausführungen des Redners, die getragen waren von schwungvoller Begeisterung verbunden mit einer würdigen glänzenden Diktion, auch nur im Auszug annähernd wiederzugeben. Dr. Munk schilderte die verschiedenen Anfechtungen, die unsere Weltanschauung durch die verschiedenen Richtungen des Zeitgeistes zu erdulden hatte: zuerst durch das babylonische Heidentum, dann durch den Hellenismus, später durch die Mystik des Christentums und in unseren Tagen durch den Materialismus. Er zeigte wie unser Volk siegreich trotz mancher Einbußen diese Zeitftrömungen überdauert haben. Auch heute »och sind es dieselben Strömungen, die uns der Welt- und Lebensanschauung unserer Väter entfremden möchteu. Man dürfe nicht glauben, daß in unserer Zeit der Materialismus vermöge seiner geistigen Waffen viel stärker sei als etwa das Heidentum im biblischen Zeitalter, vielmehr könne man durch Beispiele belegen, daß schon damals die Zeitströmungen einen ungeheuren, fast unwiderstehlichen Einfluß auf die Bekenner deS Judentums ausgeübt

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