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Jüdischer Volksbote · 1912-03-01 · 21 (3.1912) · p. Seite 365

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
21 (3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 365 (sequence 9)
Language
German
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365 staatsbürgerlichen Rechte, die Freie Vereinigung aber die religiösen Interessen des Judentums zu vertreten habe. Ferner sprachen noch die Herren Simon Neumark - Posen, als Vertreter der hiesigen Ortsgruppe des „Verbandes der Sabbalhfreunde" Herr Dr. H o f m a n n -Berlin, im Aufträge des „Bundes jüdischer Akademiker" und Pincus Pleßner im Namen des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine". Von reichem Beifall begrüßt ergriff nunmehr der stellvertretende Vorsitzende der Freien Vereinigung Herr Jacob R o s e n h e i m das Wort, um die Ostdeutsche Abteilung zu ihrem ersten Bezirkstage zu begrüßen und zu beglückwünschen. Anknüpfend an die Worte des Herrn Gemeinderabbiners erinnerte der Redner an die Blütezeit der Reform in Deutschland. Damals folgten nur wenige dem Ruf, den der geniale Rabbiner Samson Raphael Hirsch erschallen ließ. Damals war eine Zeit, da sich für die Thora, wie in den Togen des Propheten Moleachi. fast nicht« anderes tun ließ, als ihr« Mahnungen wenn nicht zu erfüllen, so doch a u S z u s p r e ch e n. Die Zeiten sind andere geworden. DaS gesetzestreue Judentum hat sich inzwischen eine angesehene Stellung erobert, und eS ist heute keine Lächerlichkeit mebr sich als orthodoxen Juden zu bezeichnen. Die »Freie Vereinigung" ist zu einer gewaltigen Organisation geworden, deren Stimme heute im In- und A»Sl.rnde mit Achtung vernommen wild. Uralt ist ja der Gedanke der Organisation im Judentum; schon in der Wüste war unser Volk organisiert. Das Heiligtum stand in der Mitte und ringsherum lagerten sich die Stämme Israels. Auch eine »östliche Abteilung" gab eS damals schon. Im Osten vor dem Gingang deS StijtzelteS lagerte di« Vorhut, deren Führer Nachschon Ben Aminadab war. jener Nachschon Ben Aminadab, der z u e r st i»S Swiltmeer sprang. Der Vorstand wünscNI von ganzen Herzen die Erhaliung unserer Vorhut, der ostdeutschen Abteilung und ist aufs eifrigste bemüht, daS gesetzestreue Judenlnm im Osten Deutschlands nicdt minder als im Süden und Westen zu erhalten. Minutenlanger, rauschender Beifall wurde den begeisternden Worten des Redners zu teil. Generalsekretär Dr. de Haas-Posen erstattete alsdann de» Bericht über die Tätigkeit der Freien Bereinigung in den Jahren 1910/11. Der Verein hat sich zum Ziele gesetzt, i» der Provinz das religiöse Leben zu festigen, insbesondere in den Zweiggemeinden zu kräftigen, und »ach erfolgter Sicherstellung über die Grenzen hinaus in den Nachbarvrovinzen in diesem Sinne zu wirken. Hauptsächlich geschieht dies durch Vorträge und Aussprache. Nach anfänglichen Mißerfolgen hat auch hier die Arbeit schöne Früchte gezeitigt, die nicht im äußeren Wachstum, sondern in der Erweckung »es moialischen und sittlichen Leben« sich zeigten. Mit Freude kann konstatiert werden, daß ein freudiger, stischer Zug in die Gemeinden hincingekommen ist. Besonderer Fürsorge bedürfen die kleinen und entlegenen Gemeinden. Von dem Recht Vorträge zu hören, werde in denselben noch nicht genug Geb, auch gemacht Betr. der Tätigkeit für Gesetzgebung und Verwaltung hat sich der Verein besonders der Frage der kaufmännischen Sonntagsruhe zugewendet und hierbei von vornherein das religiöse Moment betont. Auch iu außerjüdischc» Kreisen und bei den Behörden habe er Anhang und Verständnis gesunde». Von letzteren sei ihr Antrag, an Sonn- und Feiertagen das jüdische Personal fünf Stunden hinter verschlossenen Türe» beschäftigen zu dürfen b e st ä t i g t worden. Bei der S ch ä ch t f r a g e sei die Aufhebung deS sächsischen SchächtverbotS, gestützt auf daS Votum der Wisienschaft zu erwähnen.!/luch in der preußischen Gesetzgebung dürfte unsere Aktion gegen polizeiliche Maßregeln in

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