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Jüdischer Volksbote · 1912-03-01 · 21 (3.1912) · p. Seite 363

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
21 (3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 363 (sequence 7)
Language
German
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363 freudig bekennen und es nach außen Hinausrufen, daß Israel nicht verwaist ist, daß der alte Gott sein Volk nicht verlassen hat. Wir schreiten fort in ErkenatniS und Kultur, und wir wollen immer weiter fortschreiten, aber gerade deshalb halten wir treu an den ewigen, uns von den Vätern anvertrauten Wahrheiten des Judentums und erneuern freudig unser Versprechen, daß keine Schwierigkeiten und Gefahren uns von der Thora und der treuen Befolgung ihres Gesetzes abbringen sollen. Moderne Kultur und altes Judentum gehören zusammen, sie widersprechen einander nicht, das soll unser Leben und Streben beweisen. Unsere Väter haben freudig den Märtyrertod erlitten, und wir sollten das, wofür sie gelebt, gekämpft, gelitten und gestorben, um der Bequemlichkeit willen, äußerer Ehren, halber, vagen Hypothesen des stets wechselnden Zeitgeistes zu Liebe, feige im Stich lassen? Unsere Kinder, diese uns anvertrauten Heiligtümer, wollen wir heilig erhalten und sie entgegenführen jenem herrlichen Tage, von dem es heißt; daß an ihm der Ewige einzig sein wird, und sein Name einzig". Alsdann ergriff Herr L o e w y das Wort, um ebenfalls für seine Wahl zu danken und etwa folgendes auszuführen r »Der letzte Wochenabschnitt enthält die Pflicht zum Bau des Heiligtums, zu dem jeder einzelne seinen .freiwiligen" Beitrag der Gesamtheit übergeben sollte. Ist auch daS Heiligtum gefallen, so halten wir doch unseren Vätern gleich, kraft freier Ueberzeugung treu zu unserer Lehre- DaS Interesse für die »Freie Vereinigung", daS Streben für die großen Aufgaben des alten Judentums, von dem die heutige zahlreiche Versammlung wieder einmal Zeugnis ablegt, ist im Osten Deutschlands keine verwunderliche Erscheinung. Hat doch bis in die neueste Zeit 1 der Abfall und die Zerstörung hier nicht so arg wie in anderen Gegenden Deutschlands zu wirken vermocht. Noch heute sind von den 25 Rabbinaten der Provinz 19 in den Händen ehrwürdiger Männer, die treu und fest zur Fahne des alten unverfälschten Judentums sich bekennen- Ebenso wirkt die erdrückende Majorität unserer Lehrer und Kultusbeamten im alten echten Thorageiste. Von den 112 Synagogengemeinden der Provinz Posen betrachten mehr als 100 die Satzungen des überlieferten Judentums als verbindlich für ihre Institutionen. So hoffen wir trotz der schweren Zeiten unter den schwierigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen unserer Provinz, sie als Hochburg des gesetzeStrenen Judentums zu erhalten, wenn wir nur unsere Pflicht tun. Als der große König, dessen 200. Geburtstag wir vor wenigen Wochen feierten, nach der ersten Teilung Polens seinen, neuen Besitz zum ersten Male besuchte, da meinte er. er habe dort nichts gesehen, al» Sand, Nadelholz, Haidekraut und — Inden. Aber auch hier hat die Entwicklung nicht stillgestanden. An Stell« des Sandes und deS HaidekrauteS sieht man heute prächtige Getreidefelder, und von dem Aufschwung unserer Industrie hat erst vor mehreren Monaten hier die ostdeutsche Ausstellung Zeugnis gegeben. Auch die Juden haben zwar an Zahl sehr abgenommcn, aber die noch in der Provinz lebenden 30000 Bekenner der jüdischen Religion leisten viel für Wissenschaft, Technik und Kunst, und ihre Tätigkeit in Industrie, Handel, Handwerk und Ackerbau ist so eminent, daß sie nicht auScinandergesetzt zu werden braucht. So viel sich aber auch verändert hat, gleichgeblieben sind wir uns stets in der Treue zu unserer Religion und in der Treue zu Kaiser und Reich. Wenn auch nicht alle unsere berechtigten Wünsche erfüllt worden sind, so bringen wir doch volles Vertrauen der hohen Staatsregierung entgegen, die nnS und unseren religiösen Bestrebungen stets Wohlwollen entgegenbrachte. Ehrfurchtsvoll blicken wir zu der allerhöchsten Stelle beS Staates» unserm erhabenen Kaiser empor, der uns leuchtendes Vorbild tiefster, innlgster Religiosität ist. Der Redner schloß mit einem voller Begeisterung aüfgeuommenen

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