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Jüdischer Volksbote · 1912-03-01 · 21 (3.1912) · p. Seite 362

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
21 (3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
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362 eiuigung" aus der Provinz Posen und den Nachbargebieten, aus Berlin^ Breslau und Königsberg waren herbeigeeilt, um an der gewaltigen Kundgebung für die lebendige Kraft des überlieferten Judentums teilzunehmeu^ zu der sich der Bezirkstag nach Inhalt und Umfang gestaltet hat. Uin 3 Uhr nachmittags eröffnete Herr Dr. Calvary-Posen, der Vorsitzende der ostdeutschen Abteilung der .Freien Vereinigung" die Tagung mit einer kurzen Begrüßung au unfern ehrwürdigen Rabbiner Dr. Feilchenfeld der bereitwilligst das Präsidium der Tagung übernommen hatte. Der Redner führte aus, daß der Bezirkstag nicht nur für die „Freie Vereinigung" sondern auch für unfern Herrn Rabbiner ein Ehrentag sei, für den Herrn Rabbiner, der in jahrzehute langem gesegnetem Wirken im Sinne unserer Ideen den Boden für die .Freie Bereinigung" vorbereitet habe und schloß mit dem Wunsche, daß es Herrn Dr. Feilchenfeld vergönnt sein möge, die Früchte der gemeinsamen Arbeit in reicher Fülle zu schauen. Auf Vorschlag des Herrn Dr. de Haas wurden alsdann die Herren Rabbinatsaffefforen Krause und Silberberg zum Ehrenpräsidium hinzugewählt, die Herren Dr. Calvary-Posen und Loewy-Rawitsch zu Präsidenten mit gleichem Rechten, die Herren Aron Kober-Breslau und Sally Gug ge n Heim-Berlin zu Vizepräsidenten ernannt. Nach der Wahl der Beisitzer und Schriftführer ergriff Herr Dr. Calvary wieder das Wort und dankte allen Anwesenden, daß sie gekommen seien, nm Zeugnis abzulegen von der lebendigen Kräfte von der ewigen Jugend des alten Judentums. Wir wiffen wohl, daß der der jüdische Vater in seinem Hause, der Lehrer in seiner Schule, jeder einzelne Jude, der das Gottesgesetz befolgt, oder sich in die Thora versenkt, in oer Stille seines Wirkungskreises mehr für die Zukunft de» Judentums zu leisten vermag, als wir es hier in der großen Oeffentlichkest vermögen, indeffen erfordert es die Not der Zeit, daß alle Einzelkräfte. denen die Erhaltung des Judentums am Herzen liegt, sich zusammenschließen zu einem großen Bund, zu der Organisation, die uns heute zusammenberufen hat. Es gilt Aufgaben zu erfüllen, für die die Kraft des- Einzelnen nicht ausreicht. In dieser Absicht hat vor 25 Jahren der geniale Samson Raphael Hirsch unsere Organisation begründet, aber erst vor einem Luftrum war es dieser unter Leitung ihres jetzigen Vorsitzenden^ des Herrn Rabbiner Dr. Breuer, möglich, auch den Norden und Osten des Reiches zu erobern. Dank wollen wir auch dem unter uns weilenden Vorsitzenden Herrn Jacob Rosenheim wiffen, dem' mit Hülfe begeisterter Mitarbeiter die Durchführung dieses Planes gelang. In unserer Provinz war es der Generalsekretär Dr. de Haas, der in emsiger Arbeit es verstand, dem steinigen Boden kaum erhoffte Früchte abzuringen. Redner verwies auf die gestern verlesene Bibelstelle: .Dies soll geben ein jeder, der durch die Musterung geht, einen halben Schekel von dem Schekel, der dem Heiligtum gilt". Wenn wir auch alle strebeu, etwas Ganzes, etwas Heiliges zu leisten, so wird doch bei der Unvollkommenheit menschlicher Leistungen nichts vollendet, sondern es bleibt ein halber Schekel, bis daß jeder ihn gibt, und die Bereinigung der Leistungen möglichst Vollkommenes zu Tage fördert. Wir wollen stolz und-

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